17 April 2026, 02:33

24-Stunden-Dienste im Krankenhaus: Warum Ärzte an ihre physischen und psychischen Grenzen geraten

Schwarzes und weißes Foto von drei Männern, die in einem Krankenhauszimmer mit mehreren Betten, Stühlen und an der Wand hängenden Kleidungsstücken sitzen, wobei ein Mann auf einem Bett liegt.

24-Stunden-Dienste im Krankenhaus: Warum Ärzte an ihre physischen und psychischen Grenzen geraten

Lange Arbeitszeiten in deutschen Krankenhäusern bringen Ärzte an ihre Grenzen

Das deutsche Arbeitszeitgesetz erlaubt zwar verlängerte Schichten – besonders, wenn Tarifverträge dies vorsehen. Doch mit wachsendem wirtschaftlichen Druck mehren sich die Sorgen um die Belastung des medizinischen Personals und die Patientensicherheit.

Die gesetzliche Acht-Stunden-Arbeitszeit in Deutschland kann zwar auf bis zu zehn Stunden ausgedehnt werden, sofern Überstunden innerhalb von sechs Monaten ausgeglichen werden. In Krankenhäusern sind jedoch nach wie vor 24-Stunden-Dienste gängig, vor allem dort, wo Bereitschaftsdienste zum Alltag gehören. Dr. Jan Schmitz, ein Assistenzarzt in Nordrhein-Westfalen, absolviert in einer Privatklinik regelmäßig diese extrem anstrengenden Schichten. Währenddessen ist er oft der einzige Arzt in seiner Abteilung – zuständig für Wochenbett- und Neugeborenenstationen, während er gleichzeitig jeden Kaiserschnitt und jede Risikogeburt begleitet. Schlaf, gibt er zu, ist dabei selten – manchmal kommen nur ein oder zwei Stunden in einem ganzen Tag zusammen.

Schmitz' Erfahrungen sind kein Einzelfall. Viele Ärzte berichten, dass sie während 24-Stunden-Diensten kaum oder gar nicht zur Ruhe kommen – eine Praxis, die sich längst nicht mehr auf die Notfallmedizin beschränkt. Geplante Eingriffe werden zunehmend in die Abendstunden, Nächte oder Wochenenden verlegt, um Kosten zu sparen. Der Chirurg Andreas Kirschniak beobachtet, dass Patienten verunsichert reagieren, wenn sie erfahren, dass ihr behandelnder Arzt die ganze Nacht durchgearbeitet hat.

Die Belastung ist gut dokumentiert. Der Arbeitsmediziner Frank Brenscheidt vergleicht Schlafmangel mit einer Alkoholisierung. Gleichzeitig drängen Arbeitgeber auf flexiblere Arbeitszeiten, während Gewerkschaften und Arbeitsrechtler vor schweren gesundheitlichen Risiken warnen. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie begrenzt die Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden, und auch die deutsche Regierung setzt sich nun für eine ähnliche Obergrenze ein. Doch viele Ärzte fühlen sich ohnmächtig, gegen illegale Arbeitsbedingungen vorzugehen – aus Angst vor Konsequenzen in einem System, in dem sie stark von ihren Arbeitgebern abhängig sind.

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Das Problem hat sich durch Krankenhausreformen noch verschärft. Kürzere Liegezeiten und pauschale DRG-Fallpauschalen haben die Arbeitsbelastung erhöht und immer mehr Mitarbeiter zu langen, unregelmäßigen Diensten gezwungen. Ursprünglich sollte das 24-Stunden-Schichtsystem eine durchgehende Patientenversorgung sichern. Doch in Kombination mit Opt-out-Regelungen, die wöchentliche Höchstarbeitszeiten überschreiten lassen, ist es zunehmend unhaltbar geworden.

Nach deutschem Recht müssen Arbeitgeber Risiken – einschließlich psychischer Belastungen – bewerten und dokumentieren. Doch die Umsetzung bleibt lückenhaft. Krankenhäuser setzen weiterhin auf ausgedehnte Schichten, obwohl die Schäden für Personal und Patienten längst belegt sind. Ohne strengere Kontrollen oder Reformen wird sich der Druck auf die Beschäftigten im Gesundheitswesen kaum verringern.

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