90-Jährige in Dortmund verliert ihr Zuhause – Abriss droht trotz Proteste
Wally Klemt90-Jährige in Dortmund verliert ihr Zuhause – Abriss droht trotz Proteste
90-Jährige in Dortmund muss bis Ende April ihre Wohnung räumen – Abrisspläne nehmen Gestalt an
Lieselotte Hoeber, eine 90-jährige Dortmunderin, muss bis Ende April ihre Wohnung verlassen, da die Abrissvorbereitungen für ihr Wohnhaus voranschreiten. Gemeinsam mit 35 weiteren Haushalten erhielt sie von ihrem Vermieter, der Volkswohl Bund-Gruppe, die Kündigung. Das Unternehmen behauptet, die Gebäude seien wirtschaftlich nicht mehr tragbar – eine Darstellung, die Mieter und Aktivisten vehement bestreiten.
Alle 36 Haushalte in fünf Wohnblöcken, die der Volkswohl Bund besitzt, erhielten identische Kündigungsschreiben. Der Versicherungskonzern argumentiert, die Sanierungskosten überstiegen die eines Neubaus, weshalb ein Abriss die einzige Option sei. Doch nur wenige Straßen weiter modernisiert das gleiche Unternehmen andere Immobilien – ein Beweis dafür, dass Erhalt durchaus möglich wäre.
Der Deutsche Mieterbund bezeichnet die Begründung des Vermieters als "völligen Unsinn" und wirft ihm vor, die Bewohner bewusst in die Irre zu führen. Auch Juristen zweifeln an, ob die Massenkündigungen mit dem Mietrecht vereinbar sind. Dennoch räumte Dortmunds Planungsdezernent ein, es gebe "praktisch keine rechtlichen Mittel", um den Prozess aufzuhalten. Die Mieter fühlen sich von der lokalen Politik im Stich gelassen.
Öffentliche Proteste zogen einst große Menschenmengen an, doch die Unterstützung ist mit der Zeit geschwunden. Nur eine kleine Solidaritätsgruppe steht heute noch an der Seite der verbleibenden Bewohner. Einige ehemalige Mieter sind bereits in modernisierte Wohnungen umgezogen – Gerüchten zufolge nach finanziellen Anreizen des Vermieters. Lieselotte Hoeber jedoch hat den Kampf aufgegeben. Sie plant, in eines der sanierten Gebäude umzuziehen, gibt aber zu, dass ein Umzug in ihrem Alter eine große Belastung sein wird.
Da weder im selben Stadtteil noch im weiteren Umkreis Dortmunds Ersatzwohnungen angeboten werden, haben die Betroffenen kaum Alternativen. Der Abriss soll Platz für Neubauten schaffen, doch Kritiker werfen dem Unternehmen vor, Profit über Menschen gestellt zu haben.
Die Frist für Lieselotte Hoeber und ihre Nachbarn, ihre Wohnungen zu räumen, rückt unaufhaltsam näher. Während einige bereits ausgezogen sind, müssen andere wie sie nun die Herausforderungen eines Umzugs im hohen Alter bewältigen. Der Konflikt verdeutlicht die Spannung zwischen städtischer Neugestaltung und den Rechten langjähriger Mieter in einer sich wandelnden Stadt.