Abschied eines Pioniers: Seligmann verlässt die Villa ten Hompel nach 24 Jahren
Eggert StriebitzAbschied eines Pioniers: Seligmann verlässt die Villa ten Hompel nach 24 Jahren
Dr. Michael Seligmann, eine prägende Persönlichkeit der Holocaust-Gedenkkultur, ist nach 24 Jahren als Vorsitzender des Trägervereins der Gedenkstätte Villa ten Hompel zurückgetreten. Unter seiner Führung entwickelte sich die Münsteraner Gedenkstätte zu einem zentralen Ort der historischen Bildung und Aufarbeitung. Kollegen und Vertreter des öffentlichen Lebens würdigen sein langjähriges Engagement für die Erinnerungskultur in Deutschland.
Seligmann übernahm 1998 ehrenamtlich die Leitung des Vereins und prägte dessen gemeinnützige Arbeit in der Villa ten Hompel maßgeblich. Die Gedenkstätte, eng mit seinem Wirken verbunden, widmet sich der Dokumentation und Vermittlung der Geschichte nationalsozialistischer Verbrechen. Stefan Querl, der Leiter der Gedenkstätte, hob Seligmanns unermüdlichen Einsatz als Grundpfeiler für die Stabilität und Strahlkraft der Einrichtung über die Jahre hervor.
Regierungspräsident Bothe bezeichnete Seligmann als einen "Pionier der Erinnerungskultur". Sein Ansatz, historische Verantwortung mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu verknüpfen, war für ihn selbst eine tiefgreifende Motivation – besonders, wenn andere dies anerkannten. Während Seligmanns Amtszeit vertiefte die Villa ten Hompel die Zusammenarbeit mit Yad Vashem in Jerusalem. Nun stehen Pläne für ein deutsches Bildungszentrum von Yad Vashem an, das an 60 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen beiden Ländern erinnern soll. Der Standort steht noch nicht fest: Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen bewerben sich um das Projekt. Mehrere Städte in NRW – darunter Dortmund, Essen, Düsseldorf und Köln – haben bereits Interesse bekundet; die endgültige Entscheidung wird für die erste Jahreshälfte 2026 erwartet.
Der Trägerverein wird seine Arbeit ohne Seligmanns direkte Führung fortsetzen, doch sein Einfluss bleibt in der Ausrichtung der Villa ten Hompel verankert. Das geplante Yad-Vashem-Zentrum wird sein Erbe fortführen, indem es die Holocaust-Bildung in Deutschland stärkt. Die nächsten Schritte hängen nun von der Standortentscheidung ab, während sich mehrere Regionen auf die mögliche Ansiedlung vorbereiten.






