20 December 2025, 18:34

AfD: Keine Fingerhakeln für die BRD

Ein Buchumschlag mit Armee-Panzern und Jeeps in einer KriegsSzene mit Text darüber.

AfD: Keine Fingerhakeln für die BRD

AfD: Kein Fingerkrümmen für die BRD

Teaser: Seit der Abstimmung über das Wehrdienstmodernisierungsgesetz gibt es in der AfD Streit über das Verhältnis der Partei zum Militär. Ein Bundestagsabgeordneter erhielt einen Verweis – weil er Björn Höcke kritisiert hatte.

17. Dezember 2025, 06:16 Uhr

Ein erbitterter Richtungsstreit ist in der AfD über die Bundeswehr und die nationale Identität Deutschlands entbrannt. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Wehrpflicht und ob das Land in seiner heutigen Form überhaupt verteidigenswert ist. Der ehemalige Soldat und AfD-Politiker Rüdiger Lucassen griff seinen Parteikollegen Björn Höcke öffentlich an, weil dieser die Bundeswehr abwertete und den deutschen Patriotismus infrage stellte.

Der Konflikt offenbart tiefe Gräben zwischen dem nationalistischen und dem konservativen Flügel der Partei: Während die einen eine Rückkehr zu traditionellen Werten fordern, lehnen andere den demokratischen Staat grundlegend ab.

Eskaliert ist die Auseinandersetzung Mitte Dezember 2025, als Höcke im Thüringer Landtag eine brandmarkende Rede hielt. Darin argumentierte er, junge Männer sollten nicht in einer Bundeswehr dienen, der jeder Patriotismus und jede Tradition abhandengekommen sei. „Was soll der junge Mann mit einer Bundeswehr verteidigen, die weder Patriotismus noch Traditionen mehr kennt?“ fragte er rhetorisch. Stattdessen forderte er „Volkswehren“ und beharrte darauf, Deutschland müsse zunächst „ein Staat der Deutschen“ werden, bevor es Verteidigung verdiene.

Höckes Haltung spiegelt eine grundsätzliche ideologische Spaltung wider. Er und andere Vertreter der „Neuen Rechten“ ziehen eine scharfe Trennlinie zwischen der demokratischen Republik – die sie ablehnen – und dem „deutschen Volk“, das sie angeblich verteidigen. Lucassen, selbst Militärveteran, konterte scharf und warf Höcke vor, die Streitkräfte zu untergraben. Die Ablehnung eines Modernisierungsgesetzes für die Bundeswehr durch die AfD trieb ehemalige Soldaten zusätzlich auf die Barrikaden, von denen viele die Wehrpflicht befürworten.

Eine dritte Strömung in der Partei verkompliziert die Debatte weiter: Zwar unterstützt sie die allgemeine Dienstpflicht, doch ihre Anhänger halten Bundeswehr und Gesellschaft für so zerrüttet, dass nur ein „völkisch-autoritärer“ Staat noch Ordnung schaffen könne. Militärische Ausbildung, so ihre Argumentation, vermittle jungen Männern die Disziplin und Fähigkeiten, die für ihr Deutschlandbild unerlässlich seien.

Höcke rechtfertigte seine Position mit dem Bekenntnis, er werde für „Deutschlands Existenz“ kämpfen – „aber nicht für diese Bundesrepublik“. Seine Äußerungen unterstreichen den inneren Zwiespalt der AfD: Die einen wollen den Staat abschaffen, die anderen sehnen sich nach einer Rückkehr zur Bundesrepublik vor 1990.

Ungeklärt bleibt, wie die Partei künftig zur Wehrpflicht, zur Rolle der Bundeswehr und zur deutschen Identität steht. Lucassens Kritik an Höcke zeigt, wie tief die Spannungen zwischen traditionellen Konservativen und radikalen Nationalisten sind. Gleichzeitig hat die Ablehnung der Militärreformen ehemalige Soldaten verprellt, die in der AfD einst einen Verbündeten sahen.

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Ohne absehbare Lösung droht der Streit, die innerparteilichen Gräben weiter zu vertiefen – und damit die Zukunft der AfD und ihr Verhältnis zum Staat auf eine harte Probe zu stellen.