Bonn protestiert gegen sexualisierte Gewalt: "Wir sind wütend!"
Hunderte Demonstrantinnen und Demonstranten gingen am Sonntag in Bonn auf die Straße, um gegen sexualisierte Gewalt zu protestieren und mehr Schutzmaßnahmen zu fordern. Die Kundgebung folgte einer größeren Demonstration in Köln am Vortag, an der über 5.000 Menschen teilgenommen hatten. Die Organisatoren in Bonn verlangten wirksamere Schutzmechanismen für Frauen sowie ein Ende digitaler Gewalt.
Über 500 Menschen versammelten sich vor dem Alten Rathaus auf dem Bonner Marktplatz. Viele hielten Schilder mit Botschaften wie "Girls just wanna be safe" oder "Wir sind wütend". Die Protestaktion wurde von einem breiten Bündnis aus Stadtratsparteien organisiert.
Rednerinnen und Redner bei der Veranstaltung riefen Männer dazu auf, sich mit frauenfeindlichem Verhalten auseinanderzusetzen und Verantwortung für einen Wandel zu übernehmen. Bei der Kundgebung wurde auch auf frühere Vorwürfe verwiesen, darunter die Anschuldigungen der Schauspielerin Collien Fernandes, ihr Ex-Mann, der Schauspieler Christian Ulmen, habe gefälschte Online-Profile von ihr erstellt und pornografische Inhalte verbreitet. Diese Vorwürfe waren Teil einer Untersuchung des "Spiegel" aus dem Jahr 2023, die bereits damals die Debatte über digitale Gewalt neu entfacht hatte.
Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, sich nicht stärker für strengere Gesetze zum Schutz von Frauen einzusetzen. Trotz der erneuten öffentlichen Aufmerksamkeit gibt es seit der "Spiegel"-Recherche weder neue Bundesgesetze noch politische Initiativen gegen digitale Gewalt.
Die Proteste in Bonn und Köln unterstrichen die anhaltenden Sorgen über sexualisierte Gewalt und Missbrauch im Netz. Obwohl die Forderungen nach Handlungsbedarf lauter werden, blieben konkrete politische Maßnahmen bisher aus. Die Organisatoren betonten, dass sowohl rechtliche Reformen als auch ein gesamtgesellschaftlicher Wandel notwendig seien.






