Deutsche Firmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität – trotz hoher Priorität
Eggert StriebitzDeutsche Firmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität – trotz hoher Priorität
Eine neue Studie zeigt: Deutsche Unternehmen erkennen zwar die Bedeutung digitaler Souveränität, tun sich aber schwer damit, sie in die Praxis umzusetzen. Der "Digitale Souveränitätsindex" (DSI), den Adesso und das Handelsblatt Research Institute erstellt haben, weist einen durchschnittlichen Reifegrad von 65,8 Prozent in den Unternehmen aus. Trotz dieses Bewusstseins verfügen nur wenige über konkrete Strategien.
Laut der Umfrage halten 92 Prozent der Befragten digitale Souveränität für wichtig. Doch nur 21 Prozent haben eine eigene Strategie dafür entwickelt. Noch weniger – lediglich 13 Prozent – binden sie in ihre übergeordnete Unternehmensplanung ein.
Die Verantwortung für digitale Souveränität liegt in den meisten Fällen bei den IT-Abteilungen: 46 Prozent der Unternehmen überlassen ihnen die Entscheidungen. Nur 25 Prozent beziehen den Vorstand in die Steuerung ein. Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, warnte, dass viele Unternehmen die strategische Bedeutung unterschätzen – insbesondere in Bereichen wie Cloud-Diensten, Software und KI, wo die Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern weiterhin hoch ist.
Trotz der Lücken zeigt sich Investitionsbereitschaft: Rund 80 Prozent der Unternehmen wären bereit, für souveräne Lösungen einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt 17 Prozent mehr. Ihr angestrebter Reifegrad liegt bei 77,8 Prozent, mit Schwerpunkten auf Selbstbestimmung und Resilienz.
Die Ergebnisse offenbaren eine Kluft zwischen Anspruch und Umsetzung. Zwar betrachten die meisten Unternehmen digitale Souveränität als Priorität, doch nur wenige verankern sie in der Führungsebene oder langfristigen Planung. Die Abhängigkeit von externen Anbietern – vor allem außerhalb Europas – bleibt eine zentrale Hürde für künftige Fortschritte.






