Dortmunder Bündnis kämpft für Bleiberecht der Dramé-Brüder nach Polizeischüssen 2022
Evelin KostolzinDortmunder Bündnis kämpft für Bleiberecht der Dramé-Brüder nach Polizeischüssen 2022
In Dortmund formiert sich ein breites Bündnis, das sich für langfristige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse für die beiden senegalesischen Brüder Lassana und Sidy Dramé einsetzt. Ihre befristeten Papiere liefen im Januar aus, doch die Stadt hat eine Verlängerung bisher abgelehnt. Die Kampagne steht im Zusammenhang mit der umstrittenen Polizeierschießung ihres Bruders, Mouhamed Lamine Dramé, im Jahr 2022 in Dortmund.
Am 8. August 2022 wurde der 16-jährige Flüchtling Mouhamed Lamine Dramé, der in einer psychischen Krise steckte und sich mit einem Messer bedrohte, von Dortmunder Polizisten erschossen. Nach einem 31-tägigen Prozess wurden alle fünf beteiligten Beamten freigesprochen. Das Gericht begründete die Schüsse mit Notwehr, um einen Suizid zu verhindern – obwohl die Staatsanwaltschaft argumentierte, die Lage sei durch den rechtswidrigen Einsatz von Pfefferspray eskaliert.
Die Brüder, Lassana (26) und Sidy (39), stehen nun vor einer ungewissen Zukunft. Lassana engagiert sich ehrenamtlich als Assistent eines Dortmunder Künstlers, während Sidy, ein ausgebildeter Schneider, eine kostenlose wöchentliche Nähwerkstatt leitet. Beide dürfen aufgrund ihrer abgelaufenen Papiere nicht legal arbeiten.
In einem offenen Brief fordern zivilgesellschaftliche Gruppen und lokale Politiker sichere Aufenthalts- und Arbeitsrechte für die Brüder. Hannah Rosenbaum, Bezirksbürgermeisterin der Dortmunder Nordstadt, und der Stadtkämmerer Jörg Stüdemann unterstützen die Forderung. Die Migrationsanwältin Claire Deery argumentiert, die Aufenthaltstitel müssten verlängert werden, solange ein Rechtsmittelverfahren läuft. Die Stadt hat die Besonderheit des Falls anerkannt und prüft, ob erstmals Arbeitserlaubnisse für Dortmund erteilt werden können.
Die Zukunft der Brüder in Dortmund bleibt ungewiss. Sollten die Arbeitserlaubnisse genehmigt werden, könnten sie sich legal in die Gemeinschaft einbringen. Die Entscheidung der Stadt wird darüber bestimmen, ob sie langfristig bleiben dürfen oder mit einer möglichen Abschiebung konfrontiert werden.