Dortmunds Ethikkommission zur Großwildjagd erwacht nach monatelanger Pause
Evelin KostolzinDortmunds Ethikkommission zur Großwildjagd erwacht nach monatelanger Pause
Borussia Dortmunds Ethikkommission zur Großwildjagd trifft sich endlich nach monatelanger Untätigkeit
Nach monatelanger Inaktivität steht die Ethikkommission der Stadt Borussia Dortmund zur Großwildjagd kurz vor ihrer ersten Sitzung. Der Stadtrat hatte auf Drängen von Aktivisten und politischen Gruppen eine Zusammenkunft noch vor der Sommerpause gefordert. Der Schritt erfolgt kurz vor der jährlichen Messe Jagd und Hund, auf der Reiseveranstalter Jagdsafaris im Ausland bewerben.
Die Kommission war 2023 nach jahrelangen hitzigen Debatten im Stadtrat ins Leben gerufen worden. Ihre Aufgabe besteht darin zu bewerten, ob der Verkauf von Jagdsafaris ethisch vertretbar ist und welche Auswirkungen solche Praktiken auf den Artenschutz haben. Doch seit mindestens eineinhalb Jahren blieb die Gruppe untätig – es gibt keine Protokolle von Sitzungen oder erstellte Berichte. Dortmunds Oberbürgermeister gab kürzlich zu, dass die Unterlagen der Kommission unvollständig seien.
Die Forderungen nach einer Wiederaufnahme der Arbeit gewannen an Fahrt, als die nächste Jagd und Hund-Messe näher rückte. Tierschützer protestieren regelmäßig vor der Veranstaltung, insbesondere gegen Anbieter, die Großwildjagden organisieren. Politische Unterstützung für die Reaktivierung der Kommission kam von den Grünen, der SPD, der Linken und kleineren Fraktionen, die auf eine Sitzung vor der Sommerpause bestanden. Die CDU hätte einen späteren Termin bevorzugt, während die AfD die Kommission vollständig ablehnt.
Auf Bundesebene hat sich die Haltung zu Trophäenjagden in den letzten Jahren verschärft. 2022 kritisierte Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) staatliche Fördergelder für solche Jagden als unvereinbar mit dem Tierschutz. Bis 2024 einigte sich die Koalitionsregierung auf ein Einfuhrverbot für Trophäen bedrohter Arten, das 2025 in Kraft trat. Zudem strich die Regierung die staatliche Unterstützung für Trophäenjagden, um sich an strengere EU-Vorgaben anzupassen.
Nun muss die Kommission noch vor der Sommerpause Ergebnisse vorlegen. Ihre Schlussfolgerungen könnten beeinflussen, wie Dortmund künftig die Werbung für Jagdsafaris auf Messen reguliert. Angesichts der bereits verschärften bundesweiten Gesetze könnte die Entscheidung der Stadt ein Präzedenzfall für andere deutsche Kommunen werden.