22 January 2026, 05:40

Europas Landwirtschaft am Scheideweg: Droht der Rückfall durch Gentechnik-Streit?

Ein Buch mit dem Titel "J.H. Shivers Plant Farms Catalog and Planting Guide 1940" mit einem Coverbild von Erdbeeren.

Topmanager fürchten wirtschaftlichen Abgrund mit USA - Europas Landwirtschaft am Scheideweg: Droht der Rückfall durch Gentechnik-Streit?

Europa befindet sich an einem Scheideweg in Bezug auf die Zukunft der Landwirtschaft. Das Europäische Parlament muss entscheiden, ob neue genomische Techniken (NGT) wie CRISPR in der Landwirtschaft dereguliert werden. Eine Ablehnung könnte die Ernährungssicherheit gefährden, die Wettbewerbsfähigkeit schwächen und die Spannungen mit den USA verschärfen, warnen Branchenvertreter.

Die Debatte über genomeditierte Nutzpflanzen hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Laut Matthias Berninger, dem Chef-Lobbyisten von Bayer, beunruhigen die steigenden Lebensmittelpreise die Öffentlichkeit heute mehr als die Technologie selbst. Er argumentiert, dass Europa schnell handeln muss, sonst droht es in der agrartechnologischen Innovation den Anschluss zu verlieren.

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments wird das Thema am 19. Januar 2026 beraten. Die Abstimmung im Plenum ist für den 9. März 2026 angesetzt, nachdem der EU-Rat am 19. Dezember 2025 grünes Licht gegeben hatte – allerdings enthielt sich Deutschland der Stimme. Sollten die Abgeordneten die Deregulierung ablehnen, warnen Experten vor unkontrollierbaren GVO-Verunreinigungen in Lebensmitteln und Saatgut. Öko-Landwirte und konventionelle Bauern könnten den Zugang zu GVO-freiem Saatgut verlieren, während Patente den Markt überschwemmen und Großkonzerne der Biotech-Branche auf Kosten kleiner Erzeuger begünstigen könnten.

Berninger betonte, dass Europas Weizenproduktion ohne diese neuen Methoden langfristig massive Einbußen erleiden würde. Die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel würde ins Stocken geraten – mit Folgen nicht nur für Europa, sondern auch für afrikanische Länder, die von europäischen Exporten abhängig sind. Zudem warnte er vor einer wirtschaftlichen Spaltung zwischen Europa und den USA, die die globale Position Europas schwächen und es anfälliger für Handelsdruck machen könnte – besonders unter einer US-Regierung, die europäischen Interessen weniger wohlgesinnt ist.

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Die Agrarbiotechnologie, so Berninger, ist eines der wenigen Felder, in denen Europa noch eine Führungsrolle einnehmen kann. Bleiben die regulatorischen Hürden jedoch hoch, droht der europäische Agrarsektor seinen Wettbewerbsvorteil vollständig zu verlieren. Das Risiko ist nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch strategischer Natur: Europa und die USA müssen an einem Strang ziehen, um ihren gemeinsamen globalen Einfluss zu wahren.

Die anstehenden Abstimmungen werden zeigen, ob Europa die Genomeditierung in der Landwirtschaft fördert oder einschränkt. Eine Ablehnung könnte höhere Lebensmittelpreise, eine geringere Klimaresilienz und eine stärkere Dominanz der Biotech-Riesen über den Saatgutmarkt bedeuten. Die Entscheidung wird zudem die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen Europas zu den USA in den kommenden Jahren prägen.