Florentina Holzingers Sancta polarisiert erneut an der Staatsoper Stuttgart
Eggert StriebitzFlorentina Holzingers Sancta polarisiert erneut an der Staatsoper Stuttgart
Florentina Holzingers radikales Musiktheater Sancta kehrt im Herbst an die Staatsoper Stuttgart zurück
Die Produktion, die in diesem Jahr ihre Uraufführung erlebte, wird am 3., 4. und 5. Oktober sowie am 1. und 2. November auf dem Spielplan stehen. Sancta, bekannt für seine kompromisslose künstlerische Haltung und extreme Körperlichkeit, hat bereits bei der Premiere für kontroverse Diskussionen gesorgt.
Ausgangspunkt des Werks ist Paul Hindemiths Sancta Susanna, doch Holzinger formt daraus eine mutige feministische Aussage um. Die Frauen in der Inszenierung erobern sich ihren Platz in der Kirchen- und Christentumsgeschichte zurück – einen Raum, der ihnen lange verwehrt blieb. Die Produktion bricht mit opernhaften Konventionen, indem sie extreme körperliche Aktionen, Nacktheit, Blutrituale und interdisziplinäre Elemente wie Tanz und Klangkunst verbindet.
Dirigentin Marit Strindlund, auf Einladung von Viktor Schoner für Holzingers Operndebüt verpflichtet, bezeichnete das Werk als aufregend und neuartig, räumte aber auch seine provokante Wirkung ein. Die Probenphase war intensiv und zog sich über Monate hin, wobei bis kurz vor der Premiere neues Material einfloss.
Bei der Uraufführung löste Sancta so starke Reaktionen aus, dass 18 Zuschauer:innen medizinisch versorgt werden mussten. Die Inszenierung knüpft an Holzingers früheres provokantes Stück Der rote Wal (2022) an, steigert dessen Intensität jedoch durch die opernhafte Struktur und die Einbindung eines Orchesters. Diese Verschmelzung von Performancekunst und klassischer Musik hat die Debatte über die Grenzen künstlerischer Freiheit neu entfacht.
Mit sechs Vorstellungen im Oktober und November kehrt Sancta an die Staatsoper Stuttgart zurück. Die Verbindung von Operntradition und radikaler Performance fordert das Publikum weiterhin heraus – nach einer Uraufführung, die nicht nur künstlerisch, sondern auch physisch Spuren hinterließ.






