31 May 2026, 12:30

"Gastarbeiter"-Generation leidet heute unter Isolation und kulturellen Barrieren im Gesundheitswesen

"Kartonwand": Fatih Çevikkollu's Reading on Migration and Psychological Traces in Old Age

"Gastarbeiter"-Generation leidet heute unter Isolation und kulturellen Barrieren im Gesundheitswesen

Vor mehr als 60 Jahren warb Deutschland ausländische Arbeitskräfte an, um den Arbeitskräftemangel nach dem Zweiten Weltkrieg zu beheben. Viele von ihnen, wie die Eltern des Komikers Fatih Çevikkollu, kamen mit dem Plan, irgendwann in ihre Heimat zurückzukehren. Doch sie blieben – und sahen sich unerwarteten Herausforderungen gegenüber, deren Auswirkungen migrantische Communities bis heute spüren.

Nun warnen Expertinnen und Experten, dass kulturelle Unterschiede im Verständnis von Krankheit und Einsamkeit die medizinische Versorgung älterer Migrantinnen und Migranten erschweren. Ärztinnen und Ärzte fordern mehr Maßnahmen, um diese Lücken zu schließen.

Fatih Çevikkollus Eltern kamen in den 1960er-Jahren als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland. Sein Vater, ein gelernter Schlosser, und seine Mutter, eine in der Türkei ausgebildete Grundschullehrerin, arbeiteten hier in Fabriken und als Näherin. Für seine Mutter bedeutete dieser Berufswechsel einen deutlichen sozialen Abstieg – eine Veränderung, die sie ihr Leben lang belastete.

Ursprünglich hatte die Familie vor, nach einigen Jahren in die Türkei zurückzukehren. Doch in den 1970er-Jahren beendete Deutschland die Rückkehrafregelung, da der Arbeitskräftemangel bestand und die wirtschaftliche Lage in der Türkei prekär blieb. Mit der Zeit verblasste die Idee der Rückkehr. Çevikkollus Mutter wurde zunehmend isolierter, ihre psychische Gesundheit verschlechterte sich – ein Problem, das heute als weit verbreitet unter älteren Migrantinnen und Migranten gilt.

Dr. Uwe Johansson, Facharzt für interkulturelle Medizin, betont, wie unterschiedliche Krankheitsvorstellungen die Behandlung erschweren. Viele Patientinnen und Patienten mit Migrationshintergrund deuten Symptome innerhalb kultureller Rahmenbedingungen, die westliche Ärztinnen und Ärzte oft nicht nachvollziehen können. Diese Diskrepanz kann Diagnosen verzögern und die Wirksamkeit der Behandlung mindern. Dr. Gursel Capanoglu ergänzt, dass Einsamkeit – ein häufig unterschätztes Problem – psychische Erkrankungen bei älteren Migrantinnen und Migranten verschlimmert, die über kaum soziale Netzwerke verfügen.

Johansson plädiert für einen Ausbau interkultureller Schulungen im Gesundheitswesen. Ohne solche Maßnahmen riskieren medizinische und therapeutische Einrichtungen, Menschen zu versorgen, die mit anderen Gesundheitsvorstellungen und sozialen Strukturen aufgewachsen sind.

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Die Erfahrungen der ersten Gastarbeitergeneration zeigen, dass die Folgen bis heute nachwirken. Ältere Migrantinnen und Migranten wie Çevikkollus Mutter leiden oft unter Isolation und psychischen Belastungen, die durch kulturelle Barrieren im Gesundheitsystem verstärkt werden. Fachleute sind sich einig: Bessere interkulturelle Unterstützung könnte die Behandlung und Lebensqualität dieser wachsenden Gruppe deutlich verbessern.

Quelle