Gerresheimer unter Bilanzmanipulations-Verdacht: Leerverkäufer greifen Pharmaverpacker an
Evelin KostolzinGerresheimer unter Bilanzmanipulations-Verdacht: Leerverkäufer greifen Pharmaverpacker an
Gerresheimer-Aktie: Angriff von Leerverkäufern
Zusammenfassung Ein Analyseunternehmen wirft dem Pharmaverpacker aggressive Bilanzierung vor und hält eine Short-Position. Die UBS kritisiert die Informationspolitik des Unternehmens, während sich die Aktie nach einem Verkaufsdruck leicht erholt.
Pharmaverpacker Gerresheimer steht unter schwerem Vorwurf der Bilanzmanipulation
Der Verpackungshersteller für die Pharmaindustrie, Gerresheimer, sieht sich mit ernsthaften Vorwürfen wegen fragwürdiger Bilanzierungspraktiken konfrontiert. Die von der Forschungsfirma Morpheus Research und dem aktivistischen Investor Active Ownership erhobenen Anschuldigungen werfen Fragen über die Finanzgebarung des Unternehmens auf. Trotz der Kritik stieg die Gerresheimer-Aktie am Mittwoch um über 3 % und schloss nach einem anfänglichen Rücksetzer bei über 25,90 Euro pro Aktie.
Die Kontroverse entzündet sich an der Übernahme des italienischen Unternehmens Bormioli Pharma durch Gerresheimer im Dezember 2024 – ein Deal, der wegen seines hohen Kaufpreises und der schwachen finanziellen Verfassung des übernommenen Unternehmens zunehmend in der Kritik steht. Bormioli Pharma hatte 2023 einen Nettoverlust von 8 Millionen Euro verbucht, während die Umsätze 2024 stagnierten. Dies nährt Zweifel am wirtschaftlichen Nutzen der Transaktion.
Im Mittelpunkt der Vorwürfe stehen Gerresheimers Bilanzierungsmethoden. Morpheus Research, das selbst eine Leerverkaufsposition gegen das Unternehmen hält, behauptet, Gerresheimer blähe seine organischen Wachstumszahlen künstlich auf. Die Forschungsfirma argumentiert, aggressive Finanzpraktiken verzerrten die tatsächliche Performance des Konzerns. Diese Bedenken wurden von Active Ownership geteilt, das das Unternehmen bereits Anfang 2025 wegen des geplanten Verkaufs des Hohlglas-Geschäfts scharf kritisiert hatte.
Active Ownership verwies zudem auf strukturelle Probleme: eine verzögerte strategische Neuausrichtung, schwindendes Investorenvertrauen und laufende Ermittlungen der deutschen Finanzaufsicht BaFin wegen möglicher Bilanzverstöße. Die Investorengruppe warnte, Gerresheimer müsse dringend die Cashflow-Situation verbessern, um die Schuldenlast kurzfristig abzubauen.
Auch die Bormioli-Übernahme gerät zunehmend unter Beschuss. Analysten halten den Kaufpreis für überzogen, zumal das italienische Unternehmen mit einem Verlust von 8 Millionen Euro (2023) und stagnierenden Erträgen kämpft. Die Großbank UBS, die die Gerresheimer-Aktie mit „neutral“ einstuft, monierte zudem mangelnde Transparenz und setzte das Kursziel bei 29 Euro an.
Trotz des wachsenden Drucks zeigte die Gerresheimer-Aktie am Mittwoch eine Erholung. Nach einem Vortagestief von 24,68 Euro legte der Kurs um über 3 % zu und schloss bei über 25,90 Euro. Nun steht das Unternehmen vor der Herausforderung, die Vorwürfe zu entkräften und das Vertrauen in seine Finanzberichterstattung wiederherzustellen.
Bisher hat Gerresheimer keine ausführliche Stellungnahme zu den Anschuldigungen abgegeben. Doch die Notwendigkeit, die Vorwürfe zu widerlegen und die Transparenz zu erhöhen, wird für die Unternehmensführung immer dringlicher.
Gerresheimer muss nun mehrere Baustellen gleichzeitig bewältigen: von regulatorischen Prüfungen bis hin zu misstrauischen Investoren. Entscheidend wird sein, wie das Unternehmen die Bilanzvorwürfe ausräumt und für mehr finanzielle Klarheit sorgt. Gleichzeitig bleibt die Performance der jüngsten Übernahme, Bormioli Pharma, unter scharfer Beobachtung – Analysten bewerten die langfristigen Auswirkungen weiterhin skeptisch.






