Henriette Reker entschuldigt sich für umstrittenen Rat an Frauen nach Kölner Silvesternacht
Eggert StriebitzHenriette Reker zu ihrer 'Armslänge'-Bemerkung: 'Es war falsch' - Henriette Reker entschuldigt sich für umstrittenen Rat an Frauen nach Kölner Silvesternacht
Henriette Reker, die ehemalige Oberbürgermeisterin von Köln, hat sich öffentlich für eine umstrittene Aussage entschuldigt, die sie vor einem Jahrzehnt tätigte. Ihre Bemerkung, wonach Frauen zu Fremden 'einen Arm Abstand' halten sollten, folgte auf die Übergriffe in der Silvesternacht 2015/2016 in der Stadt. Nun gibt sie zu, dass ihre Äußerung fehlerhaft war und die Schuld bei den Opfern statt bei den Tätern suchte.
Rekers ursprünglicher Rat kam während einer Pressekonferenz nach den Angriffen, als sie gefragt wurde, wie sich Frauen schützen könnten. Sie zitierte aus einer Parteibroschüre zur Sicherheit bei Veranstaltungen und riet ihnen, 'immer einen gewissen Abstand zu wahren – mehr als eine Armlänge'. Die Aussage löste Empörung aus, da Kritiker ihr vorwarfen, damit Frauen die Verantwortung für die Verhinderung von Übergriffen zuzuschieben.
Zunächst verteidigte Reker ihre Worte. Nach massiver Kritik in den sozialen Medien entschuldigte sie sich jedoch später. Ein Jahrzehnt danach räumt sie ein, dass ihre Bemerkung falsch war und das eigentliche Problem ignorierte: das Handeln der Täter.
Die Kölner Übergriffe hatten weitreichende Folgen. Sie befeuerten die Debatten über die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und warfen Fragen zur öffentlichen Sicherheit und zur Rechtsstaatlichkeit auf. Auch die Medienberichterstattung geriet in die Kritik, insbesondere die Frage, ob die Nationalität der Täter genannt werden sollte.
Rekers politische Laufbahn umfasste auch ein überlebtes Messerattentat während ihres ersten Wahlkampfs um das Bürgermeisteramt. Sie führte Köln von 2015 bis 2025 – zunächst mit Unterstützung von CDU, Grünen und FDP, später nur noch mit CDU und Grünen. Nach den Angriffen erhielt sie Rückendeckung von Olaf Scholz, damals Erster Bürgermeister Hamburgs, der sie in Fragen der Polizeikoordination beriet. Scholz wurde später Bundeskanzler.
Rekers Entschuldigung kommt Jahre, nachdem die Angriffe die öffentlichen Diskussionen über Kriminalität, Medienethik und Migration geprägt haben. Ihr Eingeständnis unterstreicht, wie ihre eigentlich als Sicherheitshinweis gedachte Aussage weithin als Opferbeschuldigung wahrgenommen wurde. Die Kontroverse bleibt ein prägender Moment ihrer zehnjährigen Amtszeit als Kölner Oberbürgermeisterin.






