31 December 2025, 09:11

Höhenflüge und Quotendesaster: Wie das deutsche Fernsehen polarisiert

Kinder spielen Schach bei einem Wettbewerb, während Erwachsene aus dem Hintergrund und den Seiten zuschauen.

Höhenflüge und Quotendesaster: Wie das deutsche Fernsehen polarisiert

Deutsches Fernsehen erlebte in den letzten Monaten Höhen und Tiefen. Von preisgekrönten Quizshows bis zu umstrittenen Dokumentationen boten die Sender ein breites Spektrum. Manche Produktionen ernteten scharfe Kritik, andere verschwanden leise vom Fernsehprogramm.

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Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF präsentierten mehrere ambitionierte Projekte. Die ARD würdigte in einer Reihe von Porträt-Dokumentationen legendäre Sportler, darunter den polarisierenden Jérôme Boateng. Der ZDF verfilmte unterdessen Oskar Maria Grafs Roman „Unruhe um einen Friedfertigen“ als zweiteiliges Drama „Sturm am Horizont“ unter der Regie von Matti Geschonneck. Doch nicht alle Historienstoffe trafen den Geschmack des Publikums – die Serie „Oktoberfest 1905“ wurde für mangelnde Authentizität stark kritisiert.

Die ARD-Produktion „Mozart/Mozart“, die sich auf Anna Maria Mozart konzentrierte, litt unter schwachen Hauptdarstellern und holprigen Dialogen. Nina Gummich hingegen erhielt Lob für ihr zurückhaltendes Spiel in „Mord auf dem Inka-Pfad“, einem True-Crime-Drama. „Das Palais“, eine ZDF-Saga über Berlins Friedrichstadtpalast, startete vielversprechend, verlor aber in der zweiten Staffel an Fahrt.

Auch die Privatsender machten Schlagzeilen. RTL veranstaltete eine TV-Debatte vor der Wahl mit den großen deutschen Parteien, doch Zuschauer monierten, die Moderation habe die Kandidaten zu wenig zu zentralen Themen gedrängt. ProSieben krönte Alessia Herren in „Deutschlands dümmster Promi“ zur ersten Gewinnerin, während die tägliche Seifenoper „Kochakademie“ nach kurzer Laufzeit eingestellt wurde. Stefan Raabs Comeback bei RTL stieß auf wenig Interesse, und seine Eurovision-Vorentscheidung für den NDR endete mit Platz 15 für Österreichs Abor & Tynna und ihrem Song „Baller“. „Das Supertalent“ beendete seine letzte Staffel mit nur 1,38 Millionen Zuschauern beim Finale. Heidi Klum moderierte „Heidifest“, ein Oktoberfest-Event im Münchner Hofbräuhaus, zwei Tage vor dem offiziellen Wiesn-Start. Der Eurovision Song Contest selbst sah sich mit Boykottaufrufen wegen Israels Teilnahme konfrontiert.

Im Sport dominierte die deutsche Frauen-Nationalmannschaft die Quoten mit durchschnittlich zehn Millionen Zuschauern pro EM-Spiel. Hinter den Kulissen sicherte sich die ehemalige RBB-Programmdirektorin Claudia Nothelle nach einer Klage auf vorzeitige Pensionierung eine zusätzliche lebenslange Monatsrente von 8.400 Euro – neben ihrem 7.000-Euro-Gehalt.

Abseits des Dramas gewann „Ein verdammt gutes Quiz (mit riesiger Geldprämie)“ trotz durchschnittlicher Einschaltquoten den Deutschen Fernsehpreis. Die Debütfolge von Julia Ruhs über Migration für „Klar“ löste eine Diskussion über mögliche Verstöße gegen journalistische Standards aus.

Die vergangene Saison zeigte: Das deutsche Fernsehen laviert zwischen mutigen Experimenten und bewährten Formaten. Während einige Sendungen überzeugten, kämpften andere um Aufmerksamkeit. Angesichts von Rechtsstreitigkeiten, Quoteneinbrüchen und kreativen Wagnissen steht die Branche nun vor der Herausforderung, sich an die wandelnden Sehgewohnheiten anzupassen.