26 March 2026, 22:32

Kratzers provokante Peri-Premiere spaltet die Hamburger Staatsoper zwischen Buhrufen und Ovationen

Schwarze und weiße Radierung, die eine Gruppe verzweifelter Menschen in einem Feld zeigt, mit der Inschrift "Aaron Staying the Plague" unten, unter einem tiefblauen Himmel mit einem untergehenden, orangen leuchtenden Sonnenuntergang.

Kratzers provokante Peri-Premiere spaltet die Hamburger Staatsoper zwischen Buhrufen und Ovationen

Die Hamburger Staatsoper präsentiert eine mutige Neuinszenierung von Das Paradies und die Peri

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Unter der Regie von Tobias Kratzer, der damit sein Debüt als Intendant gibt, hat die Hamburger Staatsoper eine provokante Neuinterpretation von Robert Schumanns Oratorium Das Paradies und die Peri aus den 1840er-Jahren auf die Bühne gebracht. Die Premiere eröffnete die Spielzeit 2025/26 und verband Schumanns Musik mit drängenden modernen Themen – das Publikum reagierte mit einer Mischung aus Buhrufen und begeistertem Applaus, der am Ende überwiegend in stehende Ovationen mündete.

Das Oratorium, inspiriert von einer orientalischen Erzählung aus Thomas Moores Lalla Rookh, erzählt die Geschichte der Peri, eines engelhaften Wesens, das nach einem Geschenk sucht, um ins Paradies einzuziehen. Kratzers Inszenierung verleiht der Handlung eine zeitgenössische Brisanz, indem sie Themen wie Rassismus, Klimakrise und kollektive Schuld einwebt. Besonders der dritte Akt setzt sich explizit mit Umweltzerstörung auseinander: Kinder spielen unter einer Plastikkuppel, während im Hintergrund Industrieschlote giftige Abgase ausstoßen.

Kratzer brach mit theaterüblichen Konventionen, indem er die vierte Wand durchbrach. Die Peri-Darstellerin Vera-Lotte Boecker stieg ins Publikum, setzte sich neben einen weinenden Mann und ging in direkten Austausch mit den Zuschauern. Die Inszenierung enthielt auch drastische Szenen, etwa den Widerstand eines sterbenden Schwarzen Mannes gegen eine Autoritätsfigur, gefolgt von einer kollektiven Bluttat, die in künstlichem Bühnenblut ertränkt wurde.

Omer Meir Wellber, der neue Generalmusikdirektor der Oper, dirigierte die Philharmoniker Hamburg in einer mitreißenden Interpretation. Der Chor unter der Leitung von Meregaglia übernahm dabei eine aktive Rolle und löste sich von der klassischen Chordarbietung. Die Premierenreihe umfasste zudem neue Musiktheaterabende, darunter Monsters Paradies und Frauenliebe und -leben, die Teil von Kratzers ehrgeizigem Spielplan sind.

Trotz kontroverser Reaktionen auf die provokante Machart feierte das Publikum letztlich Kratzers visionären Ansatz. Durch die Verbindung von Schumanns romantischem Werk mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen setzt die Hamburger Staatsoper ein kühnes Zeichen für die kommende Spielzeit. Die Zusammenarbeit zwischen Kratzer, Wellber und dem Ensemble deutet auf eine frische künstlerische Ausrichtung der Institution hin.

Quelle