18 January 2026, 22:00

Leerstehende Büros werden zu Wohnraum – wie Deutschland die Umnutzung beschleunigt

Ein Geschäftsgebäude mit zahlreichen Fenstern an der Seite, das sich auf einer Straße in Heidelberg, Deutschland, unter einem klaren blauen Himmel befindet.

Leerstehende Büros werden zu Wohnraum – wie Deutschland die Umnutzung beschleunigt

Deutschland treibt die Umwandlung leerstehender Bürogebäude in dringend benötigten Wohnraum voran. Steigende Leerstandsquoten und strengere Bauvorschriften machen dies zu einer Herausforderung, doch neue Maßnahmen sollen den Prozess beschleunigen. Ein staatlich gefördertes Programm namens Bauturbo ermöglicht es Städten nun, bestimmte Planungsauflagen für Wohnprojekte in Gewerbegebieten zu umgehen.

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf veralteten Bürokomplexen, die kaum noch Chancen auf eine Neuvermietung haben. Diese finden sich häufig in Gewerbeparks und monofunktionalen Bürogebieten, wo die Nachfrage in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist.

Die Zunahme von Homeoffice, wirtschaftliche Abschwünge und eine wachsende Spaltung in der Büroqualität haben viele Gebäude leer stehen lassen. Seit 2020 ist die Leerstandsquote in Deutschlands sieben größten Städten auf durchschnittlich acht Prozent gestiegen. Moderne, hochwertige Büros finden noch Mieter, doch ältere, energetisch ineffiziente Gebäude – besonders in weniger zentralen Lagen – kämpfen um ihre Nutzung.

Die Umwandlung dieser Flächen in Wohnraum ist jedoch kein einfaches Unterfangen. Büros verfügen oft über tiefe Grundrisse, was den nachträglichen Einbau von Fenstern oder einer angemessenen Belüftung für Wohnzwecke erschwert. Zudem sind die Schallschutzvorgaben für Wohnungen strenger als für Büros, was die Kosten in die Höhe treibt. Deutschlands Flächennutzungspläne erschweren die Situation zusätzlich, indem sie Gewerbe- und Wohngebiete strikt trennen und Umnutzungen größtenteils auf gemischte oder zentrale Stadtgebiete beschränken.

Um dies zu bewältigen, startete am 14. März 2024 in Gelsenkirchen die Initiative UmBauLabor offiziell. Das Projekt bringt Wohnungsbaugenossenschaften, lokale Behörden und Branchenverbände wie Baukultur NRW und die Architektenkammer NRW zusammen. Bis Ende 2026 werden hier Wege erprobt, wie leerstehende Gebäude neuen Zwecken zugeführt werden können. Bundesweit sollen ab Sommer 2026 zudem zinsgünstige Kredite verfügbar werden. Diese sollen Eigentümern helfen, Büros in Wohnungen umzubauen – unterstützt von Kommunen und Wohnungsbauunternehmen. Experten schätzen, dass allein in den Großstädten Zehntausende neue Wohnungen aus leerstehenden Büros entstehen könnten. Doch der langfristige Rückgang der Büronachfrage – beschleunigt durch KI und Homeoffice – könnte noch mehr Gebäude ungenutzt lassen, wenn nicht gegengesteuert wird.

Das Bauturbo-Programm und die anstehenden Kreditförderungen zielen darauf ab, Tausende potenzielle Wohnungen aus leerstehenden Büros zu erschließen. Zwar bleiben Herausforderungen wie Bauvorschriften und Gebäudestrukturen bestehen, doch auf regionaler und nationaler Ebene arbeiten Akteure nun daran, Umnutzungen schneller und bezahlbarer zu machen. Der Erfolg dieser Vorhaben hängt von der Zusammenarbeit zwischen Eigentümern, lokalen Behörden und Baufachleuten ab.

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