Mainzer Fastnacht bricht mit Tradition: Erste Frau führt die Kultrevue an
Eggert StriebitzFrauen-Debüt bei "Mainz bleibt Mainz" - Mainzer Fastnacht bricht mit Tradition: Erste Frau führt die Kultrevue an
Die 71. Ausgabe der Mainzer Fastnachtsrevue "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" hat mit der Ernennung ihrer ersten weiblichen Protokollchefin Traditionen gebrochen. Christina Grom führt die Veranstaltung nun an und markiert damit einen historischen Wandel in dem langjährigen Format. Trotz dieser Neuerung bleibt die Sitzung ihren Wurzeln treu und erweitert gleichzeitig ihren satirischen Radius.
Die seit 1952 stattfindende Revue konzentrierte sich einst auf regionale Politik, nimmt heute jedoch nationale und internationale Persönlichkeiten aufs Korn. In diesem Jahr trafen es unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und der ehemalige US-Präsident Donald Trump.
Jahrzehntelang stand die "Mainzer Faschingsrevue" für lokale und regionale Themen, insbesondere die Politik in Rheinland-Pfalz in den 1970er- und 1980er-Jahren. Mit der Zeit weitete sich ihr Blick auf bundesweite und internationale Themen aus und erreichte durch Fernsehübertragungen ein breiteres Publikum. Politiker wie Angela Merkel, Olaf Scholz und Donald Trump wurden zu regelmäßigen Zielscheiben – ebenso wie gesellschaftliche Debatten und die Prominentenkultur.
In diesem Jahr rückte Christina Groms scharfer Humor in den Mittelpunkt. Sie scherzte, der Himmel solle die Gutenberg-Bibel nutzen, um Trumps Ego "luftleer zu pumpfen". Ein weiterer Witz spielte mit der Vorstellung, Papst Ulrike segne Urbi et Orbi – eine spielerische Anspielung auf Gleichberechtigung in der Kirche. Unterdessen kehrte Andreas Schmitt, langjähriger Moderator und "Hoher Altardiener" des Mainzer Doms, nach einer kurzen gesundheitsbedingten Pause 2025 auf die Bühne zurück.
Auch Jürgen Wiesmann feierte sein 25. Jubiläum als Ernst Lustig, eine beliebte Karnevalsfigur. Die Mischung aus Tradition und Innovation hielt das Publikum in Atem und bewies den anhaltenden Charme der Revue.
Die Ausgabe 2024 von "Mainz bleibt Mainz" bewahrt ihre satirische Schärfe und geht zugleich mit der Zeit. Mit Grom als erster Protokollchefin spiegelt die Veranstaltung gesellschaftliche Veränderungen wider. Der Mix aus lokalem Kolorit und globaler Kommentarkultur sichert ihr den Platz als kulturelle Institution.