Maurizio Cattelan erhält den Preisvergleich der Nationalgalerie Berlin 2026 – ein Zeichen des Wandels
Evelin KostolzinMaurizio Cattelan erhält den Preisvergleich der Nationalgalerie Berlin 2026 – ein Zeichen des Wandels
Der Preisvergleich der Nationalgalerie Berlin 2026 geht an Maurizio Cattelan, einen weltweit anerkannten Künstler. Die diesjährige Auszeichnung markiert einen Kurswechsel: Künftig werden Persönlichkeiten geehrt, deren Werk Berlins Kulturlandschaft geprägt hat und internationale Strahlkraft besitzt. Damit löst sich der Preis von seinem ursprünglichen Auftrag, junge, in Deutschland tätige Künstler unter 40 zu fördern.
Cattelan hinterließ erstmals 2006 bleibende Spuren in Berlin, als Mitkurator der 5. Berlin Biennale. Seine provokanten, ironischen Arbeiten wie die Meteoritenskulptur "Daddy, Daddy" zogen weltweite Aufmerksamkeit auf sich und festigten den Ruf der Stadt als Zentrum zeitgenössischer Kunst. Seitdem wuchs sein Einfluss durch Großprojekte wie "All", eine 2011 in einer ehemaligen Bank installierte Skulptur, oder seine Ausstellungen 2016 zur Eröffnung der Berliner Dependance von Hauser & Wirth. Seine oft gesellschaftskritischen, mit der hiesigen Kunstszene verwobenen Werke ziehen weiterhin Sammler und Künstler aus aller Welt an.
Die Kriterien des Preises haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. Ursprünglich wurde alle zwei Jahre ein einzelner Nachwuchskünstler ausgezeichnet – darunter Elmgreen & Dragset (2002), Monica Bonvicini (2005), Cyprien Gaillard (2011) und Anne Imhof (2015). 2024 erfolgte eine Reform: Statt eines Wettbewerbs werden nun mehrere Künstler gleichzeitig gewürdigt. Mit der aktuellen Entscheidung rückt das Gremium etablierte Größen wie Cattelan in den Fokus, deren Wirken sich über Jahrzehnte erstreckt.
Im Rahmen der Auszeichnung wird Cattelan während der Berlin Art Week im September 2026 eine Einzelausstellung in der Neuen Nationalgalerie präsentieren. Die Schau blickt auf seine einflussreichsten Werke zurück und ordnet sie im heutigen gesellschaftlichen und kulturellen Kontext neu ein. Doch die Wahl löst auch Debatten aus: Sollte der Preis angesichts anhaltender Kürzungen im Kulturbereich nicht stärker aufstrebende Talente fördern?
Cattelans Auszeichnung unterstreicht Berlins Rolle als Schauplatz mutiger, international resonanter Kunst. Seine anstehende Ausstellung bietet Gelegenheit, sein langjähriges Wirken in der Stadt zu reflektieren. Gleichzeitig wirft die Neuausrichtung des Preises Fragen nach seiner künftigen Rolle bei der Unterstützung der nächsten Künstlergeneration auf.