05 January 2026, 05:01

Merz’ lockere Sprüche beim G20: Ist sein Stil erfrischend oder leichtsinnig?

Eine Person in einem schwarzen Mantel und grauer Krawatte steht an einem Schreibtisch und hält ein Mikrofon, während sie eine Rede hält, mit schwarzen Vorhängen im Hintergrund.

Merz’ lockere Sprüche beim G20: Ist sein Stil erfrischend oder leichtsinnig?

Eine jüngste Wortwechsel zwischen Friedrich Merz und Brasiliens Präsident Lula da Silva hat eine neue Debatte über den ungeschminkten Kommunikationsstil des deutschen Bundeskanzlers entfacht. Bei ihrem Treffen auf dem G20-Gipfel entwickelte sich eine beiläufige Bemerkung über Tanzen und Essen schnell zu einem weiteren Gesprächsthema. Merz, der für seine unfilterten Äußerungen bekannt ist, sah sich bereits früher Kritik ausgesetzt – doch einige Journalisten argumentieren, seine Direktheit sei schlicht Teil seines Stils.

Während ihres 40-minütigen Gesprächs auf dem Gipfel soll Lula Merz nach Deutschland eingeladen und vorgeschlagen haben, gemeinsam zu tanzen und die lokale Küche zu genießen. Berichten zufolge antwortete Merz begeistert: „Super, beim nächsten Mal gehen wir zusammen tanzen!“. Der lockere Austausch folgte einem Muster, das denen vertraut ist, die Merz’ öffentliche Auftritte verfolgen.

Seine Neigung, ohne diplomatische Rücksichtnahme zu sprechen, hat in der Vergangenheit bereits für Kontroversen gesorgt. Ein jüngeres Beispiel betraf eine Bemerkung über Brasilien, die Kritiker als herablassend empfanden. Als sein Team später versuchte, die Aussage zu präzisieren, vertiefte die Nachbesserung nur die Verwirrung. Merz ist nicht der erste Bundeskanzler, dessen unvorbereitete Äußerungen unter die Lupe genommen werden. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama eröffnete einst eine Rede vor dem britischen Parlament mit einer geistreichen Bemerkung über seine Vorgänger und vermied dabei Klischees. Doch Merz’ Fauxpas werden oft mit einem weit berüchtigteren Fall verglichen: der erfundenen Anekdote, wonach der ehemalige Bundespräsident Heinrich Lübke Königin Elizabeth II. angeblich den Satz „Gleich geht’s los“ (im Original: „Equal goes it loose“) gesagt haben soll. Wie sich später herausstellte, war die Geschichte eine Erfindung des Spiegel-Journalisten Ernst Goyke – ein Zitat, das nie gefallen ist und dessen Ursprung nie durch eine seriöse Quelle bestätigt wurde. Dennoch hält sich der Mythos hartnäckig.

Verteidiger von Merz’ Stil sehen darin Authentizität, während Kritiker auf Momente verweisen, in denen seine Worte in rassistische oder diplomatisch ungeschickte Gefilde abdrifteten. Seine Versuche, Aussagen im Nachhinein zu relativieren, schlagen häufig nach hinten los und lassen Beobachter darüber streiten, ob sein Auftreten erfrischend oder leichtsinnig ist.

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Der G20-Austausch reiht sich ein in eine lange Liste unfilterter Merz-Momente, die seinen Ruf als direkter, schonungsloser Bundeskanzler immer wieder bestätigen. Dass sein Team nachträgliche Klarstellungen liefert, die oft nur zusätzliche Verwirrung stiften, ist mittlerweile fast so bekannt wie die Aussprüche selbst. Bleibt die Frage, ob seine Direktheit sein politisches Image weiterhin prägen wird – oder ob er seinen Stil irgendwann anpassen muss.