Nach 85 Jahren: Kölns Großmarkt schließt
Nach 85 Jahren: Kölner Großmarkt schließt seine Pforten
Einzeiler: Eine lange Tradition endet: Nach 85 Jahren schließt der Großmarkt im Kölner Stadtteil Raderberg.
Nach 85 Jahren Betrieb geht der Kölner Großmarkt im Stadtteil Raderberg in den Ruhestand. Das weitläufige Großhandelszentrum, das eine Fläche von 20 Fußballfeldern umfasst, weicht einem neuen Wohnviertel. Die Händler stehen nun vor einer Zäsur und müssen bis Jahresende umziehen.
Das Aus für die Großmarkthalle markiert das Ende einer Ära – jahrzehntelang war sie ein zentraler Umschlagplatz für Händler und Gastronomen. Trotz Bemühungen, einen neuen Großmarkt zu etablieren, scheiterten die Pläne an mangelndem Investoreninteresse und nachlassender Unterstützung durch die Stadt.
Nevzat Taşkıran, Geschäftsführer von Birkenheyer und eine prägende Figur des Marktes, hatte versucht, einen gemeinsamen Umzug der Händler zu organisieren. Doch viele zögerten, sich zu verpflichten. Als Übergangslösung sicherten Taşkıran und eine Gruppe von Unternehmen ein Lager auf dem rechten Rheinufer. Dort wird jedoch nur ein begrenztes Sortiment angeboten – eine vollständige Alternative bleibt aus.
Die Stadt hat bestätigt, dass alle Betriebe den Standort bis Dezember räumen müssen. Anschließend entsteht auf dem Gelände die Parkstadt Süd, ein gemischtes Bauprojekt mit Tausenden bezahlbaren Wohnungen. Ohne direkten Ersatz müssen sich Händler und Gastronomen künftig in anderen Stadtteilen versorgen.
Ein ähnlicher Wandel vollzieht sich im Münchner Stadtteil Sendling, wo ein traditionsreicher Großmarkt ebenfalls Wohnraum weicht. Der Trend spiegelt eine grundsätzliche Veränderung in der Stadtplanung wider: Wohnbedarf wird zunehmend über klassische Handelsstandorte gestellt.
Die Schließung des Großmarkts Raderberg lässt die Händler mit wenigen Optionen zurück. Die provisorische Lösung am Rhein bringt zwar Entlastung, kann die Dimensionen des alten Marktes aber nicht ersetzen. Bis Jahresende wird das Gelände geräumt sein, und die Parkstadt Süd nimmt Gestalt an. Die Umstellung wird die Beschaffungswege Kölner Unternehmen nachhaltig verändern.






