Neuer Castor-Transport in Ahaus löst Proteste und politische Debatten aus
Eggert StriebitzNeuer Castor-Transport in Ahaus löst Proteste und politische Debatten aus
Ein Transportkonvoi mit einem Castor-Behälter für atomaren Abfall erreichte in den frühen Morgenstunden des Mittwochs Ahaus. Die Lieferung, die um 10 Uhr vom Forschungszentrum Jülich aus aufgebrochen war, legte 170 Kilometer durch Nordrhein-Westfalen zurück. Als der Müll eintraf, versammelten sich Protestierende vor dem Zwischenlager – ein weiteres Kapitel in dem seit Langem schwelenden Streit um Atomtransporte.
Die Fahrt begann mit dem Abtransport des Behälters aus Jülich, eskortiert von einer mehrere Kilometer langen Kolonne. Rund 2.400 Polizeibeamte sicherten die Strecke ab, was der lokale Politiker Patrick Schlüter als "schlecht gewähltes Timing" kritisierte. Trotz des massiven Sicherheitsaufgebots gab es während des Transports keine Zwischenfälle.
In Ahaus erwarteten Demonstranten den Konvoi. Hanna Poddig, die eine Mahnwache organisiert hatte, hatte zuvor mit der Polizei verhandelt, um den Protestierenden die Anreise per Fahrrad zum Lager zu ermöglichen. Sie forderte, alle Atomtransporte zu stoppen, bis ein Endlager gefunden sei.
Auch Politiker verschiedener Parteien äußerten Bedenken. Alexander Vogt (SPD) und Kathrin Vogler (Linke) warfen der Landesregierung vor, keine sichere, langfristige Lösung für die Entsorgung zu finden. Schon der erste große Transport nach Ahaus im Jahr 1994 hatte Massenproteste ausgelöst – und dieser jüngste Transport, Teil von insgesamt 152 geplanten Behältern, befeuerte den Widerstand erneut.
Innenminister Herbert Reul räumte die Besorgnis der Bevölkerung ein, sprach aber von einem möglichen "Gewöhnungseffekt" durch wiederholte Transporte. Gleichzeitig gab er zu, dass er solche Operationen am liebsten ganz vermeiden würde.
Der Castor-Behälter traf ohne Störungen ein, doch die Debatte um die Atommülllagerung geht weiter. Mit noch 151 weiteren Containern, die transportiert werden müssen, bleiben Behörden und Aktivisten in der Frage der Sicherheit und langfristigen Planung uneins. Das Zwischenlager in Ahaus bleibt damit ein Brennpunkt für Proteste und politische Kritik.






