„On Air On Fire“ entfacht den rebellischen Geist des DDR-Jugendradios DT64
Paulina Mangold„On Air On Fire“ entfacht den rebellischen Geist des DDR-Jugendradios DT64
"On Air On Fire": Ein docufiktionales Stück entfacht den rebellischen Geist von DT64
Mit "On Air On Fire" kehrt der aufmüpfige Geist von DT64 zurück – dem legendären Jugendradio der DDR, das wie kein anderes für Freiheitsdrang hinter dem Eisernen Vorhang stand. Die ehemalige Moderatorin Marion Brasch, die nun Regie führt, verbindet in ihrer Produktion reale Ereignisse mit fiktionalen Elementen und taucht ein in die stürmischen letzten Jahre des Senders. Gleichzeitig feiert das Theater an der Parkaue mit dem Stück sein 70-jähriges Bestehen – ein Haus, in dem erneut junge Stimmen im Mittelpunkt stehen.
1964 als Jugendwelle des Radio DDR gestartet, wurde DT64 zu einem der wenigen Orte, an denen sich junge Menschen in der DDR relativ frei äußern konnten. Doch gegen Ende der 1980er-Jahre wuchs der Druck der Staatsmacht. Ein besonders mutiger Akt: Eine Nachrichtensprecherin verweigerte die Ausstrahlung der offiziellen DDR-Linie zum Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Die Hörerschaft wehrte sich ebenfalls – mit Protesten und sogar der Besetzung der Senatskanzlei, um die Schließung des Senders zu verhindern.
Das Stück verwebt originale Tonaufnahmen, darunter die Stimme einer jungen Frau, die einem DT64-Reporter sagt: "Ich möchte diesen Ost-West-Gegensatz einfach hinter mir lassen. Er hat für mich keine Zukunft." Zensur war allgegenwärtig: Rio Reiser's "Der Traum ist aus" wurde mit der Zeile "Das ist nicht unser Land" geschnitten gespielt. Nur wenige Monate später, im Oktober 1988, sang Wolf Biermann denselben Song vor Tausenden im Werner-Seelenbinder-Stadion in Ost-Berlin – ein offener Akt des Widerstands.
Das Theater an der Parkaue, 1950 als "Theater der Freundschaft" gegründet, begleitet die Aufführung mit Workshops. Intendant Alexander Riemenscheider wählte "On Air On Fire" bewusst aus, um jungen Menschen eine Bühne zu geben – ganz im Sinne von DT64. Brasch, die von 1987 bis 1992 beim Sender arbeitete, erinnert sich an die intimen, egalitären Sendungen: ein kurzes Fenster der Ehrlichkeit vor dem Mauerfall.
Das Stück belebt nicht nur das Erbe von DT64, sondern verbindet es mit der Gegenwart. Durch Workshops und Aufführungen führt das Theater die Tradition des offenen Dialogs fort. "On Air On Fire" ist mehr als eine historische Reminiszenz – es übergibt das Mikrofon an eine neue Generation.






