Rewe-Klage droht digitale Rabattwerbung in Deutschland zu revolutionieren
Eggert StriebitzRewe-Klage droht digitale Rabattwerbung in Deutschland zu revolutionieren
Klage gegen Supermarktkette Rewe könnte digitale Rabattwerbung in Deutschland verändern
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat den Handelskonzern Rewe verklagt – mit möglichen weitreichenden Folgen für die Werbung mit digitalen Rabatten in Deutschland. Die Verbraucherschützer werfen dem Unternehmen vor, in seiner App und bei Aktionen im Geschäft wichtige Preisinformationen vor Kunden zu verbergen. Im Mittelpunkt des Streits steht die Frage, ob Rewe mit seinen Rabattangeboten gegen Wettbewerbsrecht verstößt, indem es die ursprünglichen Preise verschweigt.
Auslöser des Rechtsstreits war der Vorwurf der Verbraucherzentrale, Rewe verstoße mit seinen Praktiken gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). So wirbt die App etwa mit Angeboten wie "2 Euro Rabatt auf Söhnlein Brillant-Sekt", ohne den eigentlichen Verkaufspreis des Produkts anzuzeigen. Auch Plakate in den Filialen bewerben Gutscheine, ohne die tatsächlichen Kosten zu nennen – für Kunden ist so nicht nachvollziehbar, wie hoch die Ersparnis wirklich ausfällt.
Das Landgericht Köln hat die Argumentation beider Seiten angehört, bleibt aber in der Bewertung gespalten. Die vorsitzende Richterin verwies auf unterschiedliche rechtliche Auffassungen und vertagte die endgültige Entscheidung auf den 19. November. Verbraucherschützer fordern unterdessen strengere Regeln: Sie verlangen, dass Supermärkte künftig stets die ursprünglichen Preise neben den Rabatten klar ausweisen.
Rewe ist nicht die einzige Kette in der Kritik. Auch Penny, Netto und Lidl Plus stehen wegen intransparenter Preisangaben in ihren Apps und Werbungen in der Schusslinie. Die Fälle werfen ein grundsätzliches Problem auf: Während Supermarkt-Apps Kunden mit Rabatten locken, sammeln sie gleichzeitig große Mengen an Einkaufsdaten. Verbraucheranwälte warnen, dass Kunden ohne transparente Preise keine informierten Entscheidungen treffen können.
Das anstehende Urteil wird richtungsweisend sein für die Darstellung digitaler Rabatte im Handel. Falls das Gericht gegen Rewe entscheidet, könnten Händler gezwungen sein, ihre Werbung grundlegend umzustellen, um strengere Transparenzvorgaben zu erfüllen. Die Entscheidung könnte zudem Auswirkungen auf laufende Ermittlungen gegen andere Ketten haben, denen ähnliche Praktiken vorgeworfen werden.






