Steinmeiers ambivalentes Erbe: Vom Fußballer zum umstrittenen Bundespräsidenten
Evelin KostolzinVom Kicken 'Prickel' zum Bundespräsidenten - Steinmeiers ambivalentes Erbe: Vom Fußballer zum umstrittenen Bundespräsidenten
Frank-Walter Steinmeier, der aktuelle deutsche Bundespräsident, wird sein Amt mit 71 Jahren verlassen, nachdem er im Januar 2026 seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Seine Karriere umfasste Politik, Jura und sogar Fußball, wobei er sich stets für soziale Themen wie Obdachlosigkeit engagierte. In jüngster Zeit gerieten jedoch seine früheren außenpolitischen Entscheidungen in die Kritik – insbesondere seine Haltung gegenüber Russland.
Geboren in Detmold und aufgewachsen in Brakelsiek, ist Steinmeier westfälisch geprägt. Als junger Mann spielte er Fußball beim TuS 08 Brakelsiek und machte sich als hart, aber fairer Verteidiger einen Namen – mit dem Spitznamen Prickel. Später studierte er mit Nachdruck Jura, bestand beide Staatsexamen und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Öffentlichen Recht. Seine 1991 veröffentlichte Doktorarbeit widmete sich dem Thema Obdachlosigkeit – ein Anliegen, dem er bis heute verbunden bleibt: Jedes Jahr zu Weihnachten serviert er Obdachlosen Kartoffelsuppe mit Würstchen.
Sein politischer Aufstieg begann 1993, als er in das Team von Gerhard Schröder eintrat. Schnell stieg er auf, wurde Staatssekretär und Leiter der Niedersächsischen Staatskanzlei. Den Höhepunkt seiner diplomatischen Laufbahn erreichte er als Außenminister in zwei Großen Koalitionen – zunächst unter Schröder (2005–2009) und später unter Angela Merkel (2013–2017). Doch seine engen Beziehungen zu Russland in diesen Jahren sorgten für Spannungen mit den osteuropäischen NATO-Partnern und den USA. 2022 verweigerte die Ukraine ihm sogar die Einreise nach Kiew – eine direkte Folge seiner Russland-Politik. Die Kritik daran flammte 2024 erneut auf und überschattete seine späten Amtsjahre. Privat ist Steinmeier seit 1995 mit der Verwaltungsrichterin Elke Büdenbender verheiratet; das Paar hat eine 1996 geborene Tochter.
Mit fast 71 Jahren endet Steinmeiers Präsidentschaft – und damit eine Karriere, die Jura, Fußball und Spitzenpolitik verband. Sein Erbe bleibt ambivalent: einerseits geprägt von sozialem Engagement, andererseits von den Kontroversen um seine Außenpolitik. Der nächste Lebensabschnitt beginnt für ihn nach dem Ende seiner Amtszeit Anfang 2026.






