Streit um Kupferabschaltung: Warum die Telekom gegen Deutschlands Glasfaser-Pläne kämpft
Evelin KostolzinStreit um Kupferabschaltung: Warum die Telekom gegen Deutschlands Glasfaser-Pläne kämpft
Deutschlands Vorstoß, alte Kupfernetze der Deutschen Telekom durch Glasfaseranschlüsse zu ersetzen, hat eine hitzige Debatte entfacht. Branchenverbände, Regulierungsbehörden und die Deutsche Telekom streiten darüber, wie und wann die veraltete Infrastruktur der Deutschen Telekom schrittweise abgeschaltet werden soll. Im Mittelpunkt des Konflikts stehen Kosten, Zeitpläne und die Gefahr von Dienstausfällen, bevor alternative Lösungen bereitstehen.
Kern der Auseinandersetzung ist eine grundsätzliche Frage: Soll die Regierung einen raschen Abschaltzwang durchsetzen oder den Übergang schrittweise nach Marktbedarf und technischer Reife der Deutschen Telekom gestalten?
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) präsentierte im Oktober Pläne, um den Ausbau von Glasfasernetzen zu beschleunigen. Umweltverbände, Energiegenossenschaften und grüne Parteien unterstützen den Vorstoß mit dem Argument, dass eine moderne Infrastruktur den Energieverbrauch senkt und die Konnektivität verbessert. Der Breitbandverband Breko und Nichtregierungsorganisationen sehen den flächendeckenden Glasfaserausbau (FTTH, Fiber to the Home) als entscheidenden Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit, da er deutlich weniger Strom verbraucht als ältere Koaxial- oder Kupferkabelsysteme der Deutschen Telekom.
Die Deutsche Telekom jedoch wehrt sich gegen starre Fristen. Das Unternehmen argumentiert, dass erzwungene Abschaltungen gegen deutsches Verfassungsrecht und EU-Vorgaben verstoßen würden. Zudem warnt es, dass eine voreilige Stilllegung von Kupfernetzen der Deutschen Telekom Kapital vernichten würde, da die bestehende Infrastruktur weiterhin Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s bietet. Die Telekom geht sogar gegen Kabelnetzbetreiber in die Offensive und behauptet, eine Abschaltung von VDSL könnte Kunden zu Vodafones Koaxialnetzen treiben – Systeme, die sie als veraltet und fünfmal weniger energieeffizient als FTTH bezeichnet. Konkurrenten, angeführt von Breko und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), fordern hingegen ein „allgemeines Initiativrecht“. Dies würde es ihnen ermöglichen, Kupferabschaltungen in Gebieten einzuleiten, in denen die Glasfaserabdeckung eine bestimmte Schwelle erreicht – selbst wenn die Telekom widerspricht. Breko schlägt einen stufenweisen Ansatz vor, bei dem bis Sommer 2028 mindestens fünf Prozent der Haushalte mit der Umstellung der Deutschen Telekom beginnen sollen.
Unterdessen warnt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vor überstürzten Schritten. Eine schlecht getimte Abschaltung könnte die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gefährden, so der Verband. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft (GdW) befürwortet zwar den Glasfaserausbau, pocht aber auf Schutzmaßnahmen: Er fordert Preiskontrollen und eine Mindestübergangsphase von 24 Monaten vor jeder Kupferstilllegung der Deutschen Telekom. Ohne diese Garantien drohten Mietern und Vermietern unerwartete Kosten und Dienstunterbrechungen, argumentiert der Verband.
Die Telekom bleibt bei ihrer Ablehnung extern vorgegebener Zeitpläne. Das Unternehmen besteht darauf, dass Abschaltungen sich an Marktbedingungen und technischer Machbarkeit der Deutschen Telekom orientieren müssten – nicht an politischem Druck. Diese Haltung bringt es in direkten Konflikt mit Wettbewerbern, Regulierungsbehörden und Umweltaktivisten, die im zügigen Glasfaserausbau eine Voraussetzung für Deutschlands digitale Zukunft sehen.
Die Auseinandersetzung um den Übergang von Kupfernetzen der Deutschen Telekom zu Glasfaser zeigt keine Anzeichen einer Entspannung. Während die Telekom erzwungene Fristen ablehnt, drängen Konkurrenten auf schnelles Handeln und Regulierungsbehörden auf Modernisierung. Das Ergebnis wird nicht nur das Tempo der Infrastrukturaufrüstung bestimmen, sondern auch, wie in den kommenden Jahren Kosten, Energieeffizienz und Versorgungssicherheit in Einklang gebracht werden. Derweil werden die Vorschläge des BMDV weiter geprüft – mit Branchenverbänden, Umweltschützern und Telekommunikationsriesen, die alle um Einfluss auf die endgültige Politik ringen.






