13 February 2026, 05:41

Thalia Theater verhandelt fiktiv über AfD-Verbot – mit echten Juristen

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines vollen Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit "Der Prozess gegen die britische Armee in London, England".

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Thalia Theater verhandelt fiktiv über AfD-Verbot – mit echten Juristen

Hamburgs Thalia Theater veranstaltet ein gewagtes dreitägiges Spektakel im Rahmen der diesjährigen Lessing-Tage: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert einen "Prozess gegen die Bundesregierung" – eine fiktive Gerichtsverhandlung über ein mögliches Verbot der rechtspopulistischen AfD. Statt Schauspieler leiten Juristen das Verfahren, unter dem Vorsitz der früheren Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin als Richterin.

Das 2010 von Joachim Lux gegründete Festival widmet sich seit jeher politischen Themen. Die diesjährige Ausgabe wird von Matthias Lilienthal kuratiert, dem designierten Intendanten der Berliner Volksbühne. Raus Produktion setzt seine markante Methode fort, Theater mit realen juristischen und politischen Debatten zu verbinden.

Rau ist bekannt für provokante Scheinprozesse, die internationale Aufmerksamkeit erregten. Zu seinen früheren Arbeiten zählen "Das Kongo-Tribunal" (2015), das die Ausbeutung des Kongo thematisierte, und "Die Moskauer Prozesse" (2013), eine Nachstellung stalinistischer Säuberungen. In "Brecht, meine Liebe" (2016) dekonstruierte er Brecht-Legenden mit Publikumsbeteiligung und realer Gewalt. Diese Projekte wurden auf renommierten Festivals wie Avignon sowie an Häusern wie dem NTGent gezeigt, wo Rau von 2018 bis 2023 als Intendant wirkte.

Der "Prozess gegen die Bundesregierung" wird als Live-Stream auf der Website des Thalia Theaters übertragen. Statt einer klassischen Besetzung führen Juristen und Rechtsexperten die Verhandlung – eine fiktive Abwägung über ein AfD-Verbot in einem inszenierten Gerichtssaal.

Das Ereignis bildet den Höhepunkt der diesjährigen Lessing-Tage und bietet eine Bühne für die öffentliche Auseinandersetzung mit Deutschlands politischem Klima. Mit Däubler-Gmelin als Vorsitzende zielt die Inszenierung auf eine Echtzeit-Debatte zu rechtlichen und ethischen Fragen ab. Der Live-Stream ermöglicht eine breite Teilhabe über den Theaterraum hinaus.