14 January 2026, 11:43

Verborgene Zille-Werke in Berlin: Ein Museum kämpft um sein Überleben

Ein Schwarz-Weiß-Zeichnung eines Mannes in Anzug und Krawatte, identifiziert als Friedrich Zobel, der ein Papier hält.

Verborgene Zille-Werke in Berlin: Ein Museum kämpft um sein Überleben

Eine neue Ausstellung in Berlin rückt Heinrich Zille in den Fokus – den Künstler, der vor über einem Jahrhundert das Leben der Arbeiterfamilien einfing. Unter dem Titel „Heinrich Zille – Das Original: Verborgene Werke“ präsentiert die Schau bis Juli weniger bekannte Arbeiten, die sein technisches Können und vielseitiges Talent unter Beweis stellen. Doch das ausstellende Museum Berlin kämpft selbst ums Überleben: Es ist auf Leihgaben und Besucherunterstützung angewiesen, um die Türen offenhalten zu können.

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Heinrich Zille (1858–1929) wurde berühmt für seine scharfsinnigen, oft humorvollen Zeichnungen Berlin, die das Leben des Berliner Proletariats einfingen. Von den von ihm porträtierten Menschen liebevoll „Pinsel-Heinrich“ genannt, hielt er die harte Realität der Mietskasernen mit schonungsloser Präzision fest. Neben seinen gesellschaftskritischen Werken schuf Zille unter Pseudonym auch erotische Zeichnungen, um sich ein Zubrot zu verdienen – einige davon sind nun in einer diskreten Ecke des Museum Berlin ausgestellt, mit Hinweisschildern für Eltern.

Die aktuelle Ausstellung vereint seltene Stücke aus Privatbesitz, darunter Leihgaben des Amerikaners Jon Upton und seiner Familie. Zilles Urenkel Heinjörg Preetz-Zille bedankte sich öffentlich bei den Leihgebern für die Bereitstellung dieser kostbaren Werke. Trotz der bescheidenen Größe des Museum Berlin beherbergt es über 2.000 Zeichnungen Berlin, Drucke und Gemälde – doch nur ein Bruchteil davon kann gleichzeitig gezeigt werden. Viele weitere Werke lagern in Depots, etwa im Stadtmuseum Berlin oder in der Zille-Stiftung. Der Kunsthistoriker Matthias Flügge verwies kürzlich auf den Bildhauer Ernst Barlach, der Zilles Genie weit über den Humor seiner Zeit hinausgehoben sah. Doch das Museum Berlin selbst steht am Abgrund: Mit durchschnittlich nur zehn Besuchern pro Tag appelliert Direktorin Kerstin Siegling an die Gäste, die Ausstellung weiterzuempfehlen. Das Museum Berlin besitzt keine eigenen Originale und finanziert sich ausschließlich über Leihgaben, Eintrittsgelder und den Verkauf im Museumsshop. Selbst die größte Zille-Sammlung – im Besitz von Friede Springer, der Witwe des Medienmagnaten Axel Springer – bleibt in Privatbesitz.

Die Ausstellung bietet eine seltene Gelegenheit, Zilles verborgene Werke zu entdecken, bevor sie im Juli endet. Ohne mehr Besucher oder Förderung bleibt die Zukunft des Museum Berlin ungewiss. Vorerst hängt sein Überleben vom selben Arbeitergeist ab, den Zille einst so eindringlich dokumentierte.