23 December 2025, 09:11

Von Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten

Das Innere einer Kirche mit sitzenden Männern und Frauen, Kerzen vor ihnen und weißen Wänden und Dach.

Von Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten

Vom Durchstreichen zur Gleichberechtigung – Solinger Pfarrerinnen erzählen ihre Geschichten

50 Jahre Gleichstellung in der Gemeinde – Wie Frauen auf die Kanzel kamenSolingen – Genau die Hälfte der 26 Pfarrer:innen im Kirchenkreis Solingen sind heute Frauen. Was heute selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis eines langen kirchlichen und gesellschaftlichen Lernprozesses. Denn die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt erreichte die Evangelische Kirche erst schrittweise.

Eine Generation von Pfarrerinnen hat die Evangelische Kirche im Rheinland in den vergangenen 50 Jahren geprägt. Vom frühen Kampf um Anerkennung bis zur heutigen paritätischen Vertretung spiegelt ihr Weg sowohl rechtliche Fortschritte als auch anhaltende Herausforderungen wider. Drei Frauen – Gisela Vogel, Raphaela Demski-Galla und Dr. Ilka Werner – berichten über ihre Erfahrungen in Jahrzehnten des Wandels.

1967 erhielt Gisela Vogel einen offiziellen Brief, in dem die Anrede per Hand korrigiert worden war. Ursprünglich stand dort „Lieber Bruder Vogel“, doch jemand hatte „Bruder“ durchgestrichen und „Frau“ hinzugefügt. Heute, mit 87 Jahren, erinnert sich Vogel an diesen kleinen, aber bedeutenden Moment als Zeichen des Umdenkens. Sie wirkte in mehreren Gemeinden und wurde später die erste Oberkirchenrätin im Rheinland. Bereits 1974 hatte Hannelore Erhart als erste Senior-Kirchenrätin der Region Geschichte geschrieben – ein Amt, das zuvor ausschließlich Männern vorbehalten war.

Die rechtliche Gleichstellung folgte 1975, als die Evangelische Kirche im Rheinland Frauen und Männern offiziell dieselben Rechte im Pfarrdienst einräumte. Doch der Weg dorthin war holprig. Während des Zweiten Weltkriegs übernahmen theologisch ausgebildete Frauen oft seelsorgerische Aufgaben, wurden nach Rückkehr der männlichen Geistlichen jedoch wieder an den Rand gedrängt. Vogel, die später als einzige Frau in einem 21-köpfigen Führungsgremium saß, spricht jüngere Kolleginnen wie Raphaela Demski-Galla heute bewusst mit „Schwester“ an – ein Zeichen dafür, wie weit der Weg war. Demski-Galla begann ihr Theologiestudium 2006, in einer Zeit, in der Gleichberechtigung offiziell Normalität war. Dennoch stellte sie fest, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen nach wie vor schwieriger blieb als für Männer. Ihr Fokus liegt heute auf der Beziehungsarbeit in ihrer Gemeinde – ein Anliegen, das viele Pfarrerinnen teilen.

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Dr. Ilka Werner, heutige Superintendentin des Solinger Kirchenkreises, erinnert sich an Skepsis, als sie ihre Laufbahn begann. Ihr Ziel war stets Unabhängigkeit, doch einige zweifelten damals generell daran, ob Frauen in Führungspositionen gehören. Heute arbeiten im Solinger Kirchenkreis 26 Pfarrer:innen – 13 Frauen und 13 Männer. Werner betont, dass die Kirche die Vielfalt ihrer Mitglieder widerspiegeln müsse, nicht nur in puncto Geschlecht, sondern auch bei sexueller Orientierung und Alter. Der Wandel von Ausgrenzung zu Parität hat Jahrzehnte gedauert, doch die Arbeit für echte Inklusion geht weiter.

Dass heute die Hälfte der Solinger Pfarrer:innen Frauen sind, wäre in Vogels Anfangsjahren undenkbar gewesen. Die Führungsebene der Kirche spiegelt gesamtgesellschaftliche Veränderungen wider, auch wenn Herausforderungen wie die Work-Life-Balance bleiben. Für jüngere Pfarrerinnen wie Demski-Galla steht vor allem eines im Mittelpunkt: Verbindung und Dienst – aufbauend auf dem Fundament derer, die den Weg geebnet haben.