27 April 2026, 08:34

Warum der Widerstand gegen den Kapitalismus im Neoliberalismus an Kraft verlor

Plakat mit fetter schwarzer Schrift auf einem weißen Hintergrund, eingerahmt von einem schmalen schwarzen Rand, das "Maganomics: Ein Wirtschaftsplan, der drei Dinge tut - Steuern für Reich und große Unternehmen weiter senken."

Warum der Widerstand gegen den Kapitalismus im Neoliberalismus an Kraft verlor

Ein neuer Sammelband untersucht, warum der Widerstand gegen den Kapitalismus während des Aufstiegs des Neoliberalismus an Kraft verlor. "Krise der Kritik? Gegner des Kapitalismus im neoliberalen Zeitalter" analysiert Bewegungen und Protestformen von den mittleren 1970er-Jahren bis in die 2000er. Das Buch argumentiert, dass das Verständnis der Dominanz des Neoliberalismus auch eine Auseinandersetzung mit den Schwächen seiner Kritiker erfordert.

Forschende erklären den globalen Erfolg des Neoliberalismus häufig mit wirtschaftlichen Umbrüchen oder der Verbreitung seiner Ideen. Doch der Band lenkt den Blick auf einen weiteren Faktor: die Unfähigkeit der Linken, eine schlagkräftige Gegenbewegung aufzubauen. Selbst Sozialdemokraten und linksliberale Kräfte übernahmen neoliberale Reformen – radikale Alternativen hatten kaum noch Platz.

Die Proteste von 1968 verbanden noch Konsum- und Kapitalismuskritik auf eine Weise, die später verlorenging. Damals knüpften Aktivistinnen und Aktivisten Veränderungen im Lebensstil an weitergehende wirtschaftliche Forderungen. Doch in den 1990er-Jahren war der Widerstand zersplittert. Die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) trat nicht als revolutionäre Kraft auf, sondern als Mischung aus Identitätspolitik und gemäßigter Wirtschaftspolitik.

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Kritik am Konsum war dabei kein spezifisches Phänomen der neoliberalen Ära. Sie hatte sich bereits im Nachkriegswirtschaftswunder herausgebildet, konzentrierte sich jedoch auf individuelle Erfahrungen statt auf systemischen Wandel. Als der Neoliberalismus die Wirtschaft umformte, richteten sich viele Kritiker nur gegen einzelne Politiken – nicht gegen den Kapitalismus als Ganzes. Dieser eingeschränkte Blick ließ tiefere Strukturen unangetastet.

Der Band hinterfragt zudem, wie der Begriff "Neoliberalismus" heute verwendet wird. Zwar eignet er sich, um wirtschaftliche Umwälzungen zu analysieren, doch oft wird dabei die Zeit der 1960er- und 1970er-Jahre als verlorenes goldenes Zeitalter verklärt. Eine solche Nostalgie kann verschleiern, dass der Kapitalismus stets auf Widerstand stieß – und diesen unterdrückte.

Die Anthologie zeigt, dass der Aufstieg des Neoliberalismus nicht allein auf wirtschaftliche oder ideologische Siege zurückzuführen ist. Er spiegelt auch die inneren Kämpfe und sich wandelnden Prioritäten der Linken wider. Indem das Buch diese Entwicklungen nachzeichnet, liefert es eine klarere Vorstellung davon, warum antikapitalistische Bewegungen an Einfluss einbüßten – und was nötig wäre, um sie neu zu beleben.

Quelle