05 April 2026, 02:33

Warum Pressestellen immer seltener mit Journalisten sprechen – und was das bedeutet

Ein Mann im Anzug und mit Krawatte spricht vor einer Wand in ein Mikrofon, wahrscheinlich spricht er die Genehmigung eines Gesetzes zur Internet-Sperre durch die Regierung an.

Warum Pressestellen immer seltener mit Journalisten sprechen – und was das bedeutet

Journalistinnen und Pressesprecher in Deutschland setzen zunehmend auf schriftliche Kommunikation statt auf direkte Gespräche. Die Entwicklung hat unter Medienfachleuten eine Debatte über die Auswirkungen auf Transparenz und Effizienz ausgelöst. Manche argumentieren, digitale Tools hätten den Austausch zwar beschleunigt, aber auch kontrollierbarer gemacht.

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Ausgelöst wurde die Diskussion, nachdem der freiberufliche Journalist John Stanley Hunter auf LinkedIn gefragt hatte, warum Pressestellen Gespräche mit Reporterinnen und Reportern zunehmend meiden. Die Antworten von Redakteurinnen, Journalisten und PR-Expertinnen zeigten: E-Mails werden immer häufiger bevorzugt – auf Kosten von Telefonaten oder persönlichen Gesprächen.

Der Trend zur schriftlichen Kommunikation baut sich seit den 1990er-Jahren auf. Fortschritte in der Digitaltechnik und Gesetze wie das Informations- und Kommunikationsdienste-Gesetz (IuKDG) von 1997 veränderten, wie Unternehmen und Behörden mit Medien umgehen. Pressestellen setzen heute auf strategische Steuerung und antworten Journalisten oft mit vorbereiteten Statements statt mit spontanen Gesprächen.

Anette Dowideit, Chefredakteurin von Correctiv, erklärte, ihr Team bestehe auf offizielle schriftliche Stellungnahmen, um rechtliche Risiken zu minimieren. Thomas Holzamer, geschäftsführender Redakteur von Finance Online, berichtete, viele Banken kommunizierten mittlerweile ausschließlich per E-Mail – was die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten verlangsame, die schnelle Antworten bräuchten. Peter Ehrlich, Reporter der Süddeutschen Zeitung, hielt dagegen: Für dringende Anfragen seien die Mobilnummern von Pressesprechern nach wie vor unverzichtbar.

Einige PR-Verantwortliche weisen darauf hin, dass auch Journalisten zur Problematik beitrügen. Marco Cabras, Mitgründer der Agentur newskontor, merkte an, dass Reporterinnen und Reporter selbst oft telefonisch nicht erreichbar seien. Sachar Klein, Chief Attention Officer bei hypr, ergänzte, Journalisten bäten PR-Teams häufig darum, alles schriftlich festzuhalten. Lutz Cleffmann, Geschäftsführer von ECCO Düsseldorf, verwies auf ein Sprichwort, wonach die Angst vor Fehlern diesen vorsichtigen Umgang antreibe.

Trotz des Wandels kann Vertrauen weiterhin zu offenen Gesprächen führen. Michael Knauer, Reporter bei Automobilwoche, bestätigte, dass zwar schriftliche Korrespondenz überwiege, einige Pressesprecher aber bei bestehender Beziehung durchaus bereit seien, frei zu sprechen. Jan Dams, Chefredakteur der Welt am Sonntag, beobachtete, dass Journalisten selbst bei Anrufen oft aufgefordert würden, stattdessen eine E-Mail zu schicken.

Die zunehmende Digitalisierung hat die Zusammenarbeit zwischen Medien und Pressestellen verändert. Zwar bieten E-Mails eine Dokumentation und reduzieren rechtliche Risiken, doch sie verlangsamen Reaktionen und schränken spontane Dialoge ein. Der Artikel schließt mit einer Leserumfrage, um weitere Meinungen zum Thema zu sammeln.

Quelle