01 February 2026, 05:18

Warum Rottenburgs Saublodere jetzt mit Rinderblasen knallen

Ein altes Plakat, das ein Festival in Deutschland ankündigt und ein Schloss zeigt, das von Häusern umgeben ist.

Stinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Warum Rottenburgs Saublodere jetzt mit Rinderblasen knallen

Jedes Jahr zur Faschingszeit in Rottenburg, Baden-Württemberg, hallt das scharfe Knallen der Saublodere durch die Straßen. Diese traditionellen Lärmmacher aus aufgeblasenen Schweineblasen begleiten die schwäbisch-alemannischen Feiern seit Generationen. Doch während sich Bräuche weiterentwickeln, greifen manche Zünfte mittlerweile zu Rinderblasen – wegen ihrer Haltbarkeit und Größe.

Der Prozess beginnt mit der Beschaffung der Blasen bei örtlichen Metzgern. Nach dem Sammeln werden sie entleert, in Lake eingelegt, gründlich gereinigt und anschließend geprüft. Nur die robustesten Exemplare kommen in die engere Auswahl, bevor sie mit Druckluft aufgeblasen werden.

Jede Blase wird an einen Hagenschwanz gebunden – meist Stiergenitalien oder eine Kuhschwanzquaste –, bevor sie in Umzügen zum Einsatz kommt. Wenn sie auf den Boden geschlagen wird, erzeugt die Saublodere einen lauten, aufschreckenden Knall. Ihre Lebensdauer ist jedoch kurz: Nach nur zwei oder drei Auftritten müssen sie bereits ersetzt werden.

Traditionell stehen Schweineblasen in der Faschingskultur für Eitelkeit und Übermaß. Doch in den letzten Jahren sind einige Narrenzünfte auf Rinderblasen umgestiegen. Größer und widerstandsfähiger halten sie länger aus und überstehen mehrfaches Benutzen. Zwar gibt es keine offiziellen Zahlen, wie viele Zünfte den Wechsel vollzogen haben, doch der Trend breitet sich in der Region aus.

Der Umstieg auf Rinderblasen zeigt eine praktische Anpassung innerhalb des Brauchtums. Zwar bleiben Schweineblasen ikonisch, doch ihre kürzere Haltbarkeit und Empfindlichkeit veranlassen manche, nach Alternativen zu suchen. Vorerst hallen jedoch beide Varianten während der Faschingszeit durch die Straßen.