Warum selbst FC-Bayern-Fans ihre Hymne nicht kennen – und Söder scheitert
Evelin KostolzinWarum selbst FC-Bayern-Fans ihre Hymne nicht kennen – und Söder scheitert
Die Hymne der Europäischen Union, eine instrumentale Version der Ode an die Freude, hat keinen offiziellen Text – und doch tun sich viele schwer mit ihren Worten. Dazu gehört auch Markus Söder, der ehemalige bayerische Ministerpräsident, der kürzlich mit Spekulationen über seine Kenntnisse des Stücks konfrontiert wurde. Die Debatte wirft zudem ein grundlegendes Problem auf: Selbst die Fans des FC Bayern München vergessen oft die Worte ihrer eigenen Landeshymne.
Die Europahymne basiert auf Beethovens Neunter Sinfonie, deren Text ursprünglich 1785 von Friedrich Schiller verfasst wurde. Seit 1972 nutzt die EU eine instrumentale Fassung, die Einheit ohne Sprachbarrieren symbolisieren soll. Schillers Verse, in denen auch von einem Cherub vor Gott die Rede ist, waren nie Teil der offiziellen Version.
Die Diskussion um Söders Kenntnisse der Hymne folgt einem alten Muster. Schon 2007 vergass sein Vorgänger Edmund Stoiber bei einem öffentlichen Auftritt den Text der Bayernhymne. Viele Fans des FC Bayern München teilen dieses Schicksal – die meisten erinnern sich nur an die erste Zeile. Ein Mann wollte das ändern: Rudolf Hierl, ein Münchner Schlüsseldienstmeister, verteilte jahrelang über eine halbe Million Textkarten der Bayernhymne. Seine Kampagne schaffte es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. Doch trotz seines Engagements bleiben die Worte der Hymne weithin unbekannt.
Die Debatte über Söders Vertrautheit mit der Europahymne lenkt den Blick auf eine einfache Tatsache: Weder die EU noch Bayern erwarten von den Fans, diese Texte auswendig zu kennen. Die Europahymne bleibt instrumental, während die Worte der Bayernhymne – obwohl eine halbe Million Mal gedruckt – vielen weiterhin entfallen. Und für Politiker gibt es keine offizielle Pflicht, sie zu beherrschen.






