Provokante Performance "La Parabole du Seum" feiert Wiener Premiere mit Butter und Body-Positivität
Wally KlemtProvokante Performance "La Parabole du Seum" feiert Wiener Premiere mit Butter und Body-Positivität
„La Parabole du Seum“ – Eine provokante Performance feiert Premiere bei den Wiener Festwochen
Bei den Wiener Festwochen in Wien hat mit „La Parabole du Seum“ (auf Deutsch: „Das Gleichnis vom Säure“) eine mutige neue Inszenierung der französischen Regisseurin Rébecca Chaillon Premiere gefeiert. Das Stück verbindet Science-Fiction mit persönlichen Geschichten aus einem stigmatisierten Pariser Vorort und stellt gesellschaftliche Normen zu Körperbild und Identität radikal infrage.
Die fast drei Stunden dauernde Performance zeigt sieben Schauspieler:innen in buttergelben Roben, die Butter sowohl als Requisit als auch als Symbol einsetzen. Eine der Darstellerinnen, Julie Teuf, verteilt Butter an das Publikum, lädt zum Kosten ein und verlost sogar Lebensmittel. Inspiriert ist das Werk von Octavia Butlers Roman „Parable of the Sower“ („Parabel vom Sämann“) und verwebt Themen wie Glaube, Konsumkritik und Body-Positivität.
Chaillon, die sich selbst als „schwarze, dicke, kinderlose, alternde Lesbe“ beschreibt und in Frankreich Kultstatus genießt, nutzt die Bühnenarbeit, um Formate wie „The Biggest Loser“ zu kritisieren. Die Schauspieler:innen zeigen mit Mut und Überschwang auch Bodybuilder-Posen, die körperliche Vielfalt feiern. Der Titel spielt mit den französischen Wörtern für „Parabel“ und „Satellitenschüssel“ – ein Hinweis auf die vielschichtige Bedeutung des Stücks.
Angeregt durch die Lebensgeschichten einer Popikone und einer Astrophysikerin aus Chaillons eigenem marginalisiertem Viertel, erkundet die Performance die Wurzeln, Kämpfe und gesellschaftlichen Zuschreibungen von dicken Menschen. Als rebellische Science-Fiction-Erzählung sprengt sie Grenzen – sowohl inhaltlich als auch formal.
Dem Wiener Publikum präsentiert die Inszenierung ein provokantes Amalgam aus Theater, Aktivismus und Storytelling. Ihre Abrechnung mit Body-Shaming und Konsumkultur erfolgt durch eindringliche Bilder und Publikumseinbindung. Chaillons Werk bleibt eine Herausforderung an Normen – und gleichzeitig eine Hymne auf Widerstandsfähigkeit und Selbstakzeptanz.






