Stille Andacht mitten im Oktoberfest-Trubel: Münchens geheimnisvoller Wiesn-Gottesdienst
Eggert StriebitzStille Andacht mitten im Oktoberfest-Trubel: Münchens geheimnisvoller Wiesn-Gottesdienst
Jedes Jahr in der ersten Woche des Münchner Oktoberfests findet im Marstall-Zelt ein Gottesdienst statt – ein ungewöhnlicher Moment mitten im trubeligen Festgeschehen. Während draußen das Bier in Strömen fließt, nippen drinnen nur sechs Männer aus einem gemeinsamen goldenen Kelch an Wein.
Der Gottesdienst beginnt mit dem stehend gesungenen Lied Lobt den Herren. Einer der Männer spricht anschließend ein Gebet, in dem es heißt: Und führe uns nicht in Versuchung. Die Szene bietet einen seltenen Einblick in eine dorfähnliche Gemeinschaft – ohne festen Platz, ohne steinerne Kirche.
Solche Traditionen sind keineswegs nur in München zu finden. In ganz Deutschland feiern über 500 Gemeinden ähnliche Oktoberfest-Gottesdienste oder Erntedankfeste. Ob der Wiesn-Gottesdienst in München, das Cannstatter Volksfest in Stuttgart oder regionale Feste in Bayern, Franken und Schwaben – überall gelten vergleichbare Bräuche.
Der Gottesdienst zeigt eine ruhigere Seite des Oktoberfests, bei der Glaube und Festkultur verschmelzen. Gleichzeitig spiegelt er eine ältere Tradition wider, bei der temporäre Versammlungen feste Kirchenräume ersetzen. Hunderte Gemeinden pflegen diese Praxis Jahr für Jahr während ihrer lokalen Feste.






