Gericht stoppt AfD-Einstufung als rechtsextrem – vorläufiger Sieg für die politische Partei
Evelin KostolzinExtremist? Was das Bundesamt für Verfassungsschutz darf - Gericht stoppt AfD-Einstufung als rechtsextrem – vorläufiger Sieg für die politische Partei
Ein deutsches Gericht hat die Einstufung der Alternative für Deutschland (AfD) als "gesicherte rechtsextreme Bestrebung" durch den Inlandsgeheimdienst vorläufig gestoppt. Das Urteil erging nach einer Klage der politischen Partei gegen die Klassifizierung, die dem Verfassungsschutz erweiterte Überwachungsbefugnisse eingeräumt hätte. Die Entscheidung setzt das Etikett außer Kraft, bis das Hauptverfahren abgeschlossen ist.
Am 2. Mai 2025 hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) die AfD bundesweit offiziell als "gesicherte rechtsextremistische Bestrebung" eingestuft. Dies folgte auf eine Phase der Beobachtung und stellte eine Verschärfung der Überwachung durch die Behörde dar. Nach deutschem Recht ermöglicht eine solche Einstufung dem BfV den Einsatz seines gesamten Instrumentariums zur Informationsbeschaffung, einschließlich verdeckter Observationen.
Die AfD reagierte mit einem Eilantrag auf einstweiligen Rechtsschutz. Am 20. Mai 2025 gab das Verwaltungsgericht Köln der politischen Partei statt und setzte die Einstufung bis zum Abschluss des Hauptverfahrens aus. Das Gericht untersagte dem BfV damit vorläufig, die Klassifizierung anzuwenden, solange der Rechtsstreit nicht entschieden ist.
Auf regionaler Ebene war der AfD-Landesverband Niedersachsen bereits am 17. Februar 2026 separat als "Prüffall von besonderer Bedeutung" hochgestuft worden. Auch diese Einordnung fällt in den Rahmen der Extremismusbeobachtung des BfV, besitzt jedoch nicht das gleiche Gewicht wie die bundesweite Klassifizierung. Die Behörde, die als Frühwarnsystem ohne polizeiliche Befugnisse agiert, konzentriert sich auf die Beobachtung extremistischer Strömungen, die demokratische Strukturen untergraben könnten.
Der Verfassungsschutz arbeitet mit einem abgestuften System, das von Vorprüfungen bis zu bestätigten Extremismusfällen reicht. Die nun ausgesetzte Einstufung hätte die AfD in die höchste Kategorie eingeordnet und eine intensivere Überwachung ermöglicht. Zu den Aufgaben der Behörde gehören die Bedrohungsanalyse, die Sammlung von Nachrichten sowie die Abwehr von Spionage – direkte strafverfolgende Maßnahmen darf sie jedoch nicht ergreifen.
Mit dem vorläufigen Urteil unterliegt die AfD vorerst nicht der verschärften Überwachung als "bestätigte extremistische Vereinigung". Das Hauptverfahren wird entscheiden, ob die Einstufung des BfV Bestand hat oder aufgehoben wird. Bis dahin bleibt die Beobachtung der politischen Partei auf dem bisherigen Niveau beschränkt.






