Dürens Wasserstoffbusse scheitern an mangelnder Nachfrage und hohen Kosten
Paulina MangoldDürens Wasserstoffbusse scheitern an mangelnder Nachfrage und hohen Kosten
Düren setzt stark auf Wasserstoffbusse – doch das Projekt steht vor ernsten Problemen
Die Stadt Düren in Deutschland hat massiv in Wasserstoffbusse investiert, doch das Vorhaben sieht sich nun mit gravierenden Herausforderungen konfrontiert. Der Kreis hat 35 Millionen Euro in eine großangelegte Produktionsanlage gesteckt, doch die Nachfrage nach Wasserstoff bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Kritiker warnen, dass die Infrastruktur ohne einen deutlichen Nachfrageanstieg über Jahre hinweg zu einer teuren Belastung werden könnte.
Herzstück der Strategie: Eine kaum ausgelastete Elektrolyseanlage
Das Zentrum von Dürens Wasserstoffplänen bildet eine 10-Megawatt-Elektrolyseanlage im Brainergy Park in Jülich. Mit insgesamt 35 Millionen Euro Investitionsvolumen – davon 14,7 Millionen Euro Bundesförderung – kann die Anlage bis zu 180 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde produzieren, was etwa 1.577 Tonnen pro Jahr entspricht. Doch der aktuelle Fuhrpark des Kreises mit rund 20 Wasserstoffbussen verbraucht jährlich nur etwa 72 Tonnen. Die Anlage läuft damit im einstelligen Prozentbereich – mit entsprechend hohen Kosten und der Sorge vor strandenden Investitionen.
Hohe Produktionskosten und ökologische Zweifel
Bei einer so geringen Auslastung schnellen die Herstellungskosten für Wasserstoff auf 105 bis 140 Euro pro Kilogramm in die Höhe. Umgerechnet bedeutet das Treibstoffkosten von 6,30 bis 8,40 Euro pro Kilometer – deutlich mehr als bei Alternativen. Zudem gibt es Bedenken hinsichtlich der Umweltbilanz: Wird die Elektrolyse mit dem deutschen Strommix betrieben, verursacht jeder Wasserstoffbus jährlich etwa 81 bis 86 Tonnen CO₂-Äquivalente. Das übertrifft sogar die Emissionen eines Dieselbusses (durchschnittlich 79,5 Tonnen pro Jahr). Zum Vergleich: Elektrobusse mit Batterieantrieb kommen auf rund 34,2 Tonnen im Jahr.
Zukunft des Projekts ungewiss – Warnung vor Aberdeen-Effekt
Die Tragfähigkeit des Vorhabens hängt nun von einem drastischen Nachfrageanstieg ab. Andernfalls droht Düren ein ähnliches Schicksal wie Aberdeen, wo Wasserstoffbusse monatelang ungenutzt standen, weil die Betankungsinfrastruktur fehlte. Der Bundesrechnungshof hat bereits eine Neubewertung der deutschen Wasserstoffstrategie angemahnt und infrage gestellt, ob sich die Technologie im Öffentlichen Nahverkehr effizient hochskalieren lässt.
Zwischen ehrgeiziger Infrastruktur und realer Nachfrage
Dürens Wasserstoffprogramm zeigt die Kluft zwischen ambitionierten Infrastrukturprojekten und der tatsächlichen Marktnachfrage. Der Kreis steht nun vor der Wahl, entweder deutlich mehr Nutzer – etwa zusätzliche Busse oder Industriekunden – zu gewinnen oder langfristig unter finanziellen Belastungen zu leiden. Gleichzeitig gewinnen batteriebetriebene Elektrobusse weiter an Boden: Sie bieten geringere Emissionen und haben sich in der Region bereits als skalierbare Alternative bewährt.






