Karneval 2025 zwischen Wehmut, Wetterchaos und Tillys mutiger Satire
Wally KlemtFeierwütige, zieht warm an! An Rosenmontag regnet es nicht nur Süßes - Karneval 2025 zwischen Wehmut, Wetterchaos und Tillys mutiger Satire
Die Karnevalszeit steht bevor, doch in diesem Jahr wird für viele alles anders. Trotz eines laufenden Rechtsstreits mit russischen Behörden wird der Rosenmontagszug in Düsseldorf neue satirische Wagen von Jacques Tilly präsentieren. Unterdessen blickt eine Autorin, die einst die Feierlichkeiten liebte, nach zwei Jahrzehnten ohne die Traditionen ihrer Heimat auf die Bräuche zurück.
Die Schriftstellerin wuchs im Münsterland auf, einer Region, in der der Karneval tief verwurzelt ist – ähnlich wie im Rheinland. Als Kind besuchte sie Büttenabende, bei denen scharfer Humor und gesellschaftskritische Revuen im Mittelpunkt standen, und nahm an den lebhaften Rosenmontagszügen teil. Mit der Zeit verblasste die Begeisterung, und sie zog in den Norden Deutschlands, wo der Karneval kaum eine Rolle spielt. Nach 20 Jahren Abwesenheit kehrt nun jedoch eine gewisse Wehmut nach dem bunten Treiben zurück.
Doch in diesem Jahr wird sie die Feiern komplett verpassen. Eine Dienstreise fällt mit den Festtagen zusammen, sodass sie weit entfernt von Umzügen und Partys sein wird. Die Wettervorhersage für den Rosenmontag trübt die Stimmung zusätzlich ein: Ein Mix aus Schnee und Regen wird erwartet, was die üblicherweise ausgelassene Atmosphäre dämpfen dürfte.
Unterdessen sorgt Jacques Tilly, Deutschlands provokativster Karnevalswagenbauer, aus anderen Gründen für Schlagzeilen. Russische Behörden werfen ihm vor, Präsident Wladimir Putin und den russischen Staat durch seine satirischen Entwürfe verunglimpft zu haben. Ein Moskauer Gericht hat ein Verfahren gegen Tilly eingeleitet, das mit einer Haftstrafe von bis zu zehn Jahren oder hohen Geldbußen enden könnte. Die Verhandlung wurde bereits mehrfach verschoben, doch Russland verschärfte den Druck kürzlich, indem es Tilly auf eine internationale Fahndungsliste setzte.
Unbeirrt setzt Tilly seine provokante Arbeit fort. Sein neuester Wagen, der beim Düsseldorfer Umzug zu sehen sein wird, nimmt erneut Putin ins Visier. Trotz der Drohungen erhält er Unterstützung von prominenten Persönlichkeiten, darunter Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst. Der Rechtsstreit hat seine scharfe Kommentarkunst kaum zum Schweigen gebracht – seine Präsenz beim diesjährigen Karneval bleibt so mutig wie eh und je.
Der Rosenmontagszug wird stattfinden, bei Regen oder Schnee, und Tillys Wagen werden einmal mehr im Mittelpunkt stehen. Für die Autorin wird die Saison leise vorbeiziehen, fern vom vertrauten Treiben. Doch der juristische Streit um Tillys Entwürfe verleiht den diesjährigen Feierlichkeiten eine neue Dimension und beweist: Der Geist des Widerstands, der den Karneval prägt, ist nach wie vor lebendig.






