Wie eine Flaschenpost aus 2015 eine uralte Seefahrer-Tradition fortsetzt
Wally KlemtWie eine Flaschenpost aus 2015 eine uralte Seefahrer-Tradition fortsetzt
Eine einfache Flaschenpost, vor fast einem Jahrzehnt ins Meer geworfen, trägt eine Tradition in sich, die weit älter ist, als die meisten ahnen. Jörg und Cornelia Wanke schickten ihre Botschaft im Jahr 2015 von einem Kreuzfahrtschiff aus auf die Reise – und reihten sich damit in eine Praxis ein, die tausende Jahre zurückreicht. Was als persönliche Geste begann, ist verbunden mit einer Geschichte der Erkundung, der Wissenschaft und sogar der Spionage.
Die Idee, Nachrichten in Flaschen zu versenden, ist so alt wie die Seefahrt selbst. Schon die Griechen und Römer nutzten diese Methode, oft zur Kommunikation oder zur Markierung von Entdeckungen. Jahrhunderte später dokumentierte Christoph Kolumbus seine Entdeckung Amerikas im Jahr 1493, indem er eine Botschaft in einer Flasche versiegelte.
Im 19. Jahrhundert entdeckten Wissenschaftler einen praktischen Nutzen für die treibenden Behälter. Das Deutsche Hydrographische Institut setzte zwischen 1864 und 1936 etwa 5.000 Flaschen aus, um Meeresströmungen zu erforschen. Die erste, 1864 freigegebene Flasche, spülte drei Jahre später in der Nähe Londons an. Über die Jahrzehnte ließ die Deutsche Seewarte (das Maritime Observatorium) weitere 1.000 bis 1.500 Flaschen zu Wasser, von denen schätzungsweise 10 bis 15 Prozent wiedergefunden wurden. Meldungen kamen von Seeleuten, Fischern und wissenschaftlichen Einrichtungen – alle wurden nach Hamburg zurückgeleitet.
Doch nicht jede Flasche enthielt harmlose Botschaften. Zur Zeit von Königin Elisabeth I. dienten manche der Spionage – wer die falsche öffnete, konnte damit sein Leben riskieren. Trotz der Gefahren blieb die Tradition bestehen, eine Mischung aus Neugier und praktischer Forschung.
Die Flasche der Wankes wurde von der Star Flyer ausgesetzt, einem viermastigen Barkentiner-Schulschiff, das zwischen Madeira und Gran Canaria unterwegs war. Ihre Nachricht reiht sich nun ein in eine lange und vielschichtige Geschichte.
Die Flasche der Wankes bleibt Teil eines Erbes, das von antiken Seefahrern bis zu modernen Forschern reicht. Während viele Botschaften für immer verloren gingen, halfen andere – wie die des Deutschen Hydrographischen Instituts – dabei, die Ozeane der Welt zu kartieren. Noch heute vermag eine einfache Flaschenpost Menschen über Zeit und Entfernung hinweg zu verbinden.






